»Den nächsten Schritt machen? Ich hasse diese Formulierung«

Gute Laune beim TSV 1860. Der Saisonstart ist Löwen-Dompteur Michael Köllner und seiner Mannschaft gelungen. Im zweiten Teil unseres großen Interviews mit dem 50-jährigen Cheftrainer erklärt der Oberpfälzer, warum er mit der Floskel "den nächsten Schritt machen" so gar nichts anfangen kann, warum er unter die Autoren gegangen ist, weshalb ein Job im Profifußball gar nicht so toll ist, und warum ein Grundschul-Klassentreffen wegen ihm partout nicht zustande kommen mag.

Große Vergangenheit, schwierige Gegenwart: Bevor Sie zu Sechzig gekommen sind, waren Sie beim 1. FC Nürnberg aktiv. Rein von der Strahlkraft her gesehen, geht - zumindest in Bayern - nicht recht viel mehr. Sehen wir Michael Köllner eines Tages wieder in der Bundesliga?
Michael Köllner (50): Ja klar ist das irgendwo das große Ziel; natürlich möchte auch ich maximalen Erfolg haben. Aber für mich ist das eigentlich der falsche Ansatz. Ich hatte noch nie den großen Karriereplan. Wohl auch deshalb bin ich mehr als 12 Jahre beim DFB geblieben. Erfolg bemisst sich für mich nicht in Punkten oder Spielklassen. Mir geht es vielmehr um den Sinn in der jeweiligen Aufgabe. Ich war in Nürnberg auch als Nachwuchschef glücklich. Ich habe jetzt nicht das Gefühl, dass ich unbedingt in die erste Liga muss, damit die Zeit besonders wertvoll ist. Wichtig für mich ist, dass ich meine Spieler, ja vielleicht sogar punktuell den ganzen Verein weiterentwickeln kann. Hätte ich die große Karriere im Visier gehabt, hätte ich nach vier, fünf Jahren beim DFB den Absprung gewagt bzw. zum damaligen Zeitpunkt wagen müssen. Um die blöde Formulierung zu bemühen, um den nächsten Schritt zu machen. 

Sie sind also kein Freund dieser intensiv bemühten Floskel? 
Ich hasse diese Formulierung. Wenn zu mir ein Spieler kommt und sagt, er möchte den nächsten Schritt machen, da könnte ich wahnsinnig werden. Was ist denn der nächste Schritt? Für mich sind immer die wichtigsten Fragen: Wo fühle ich mich wohl? Wo werde ich nachhaltig besser? Für mich hat sich die Zeit in Nürnberg super angefühlt, und jetzt bei Sechzig fühlt es sich genauso toll an. 

Was haben Sechzig und der 1. FCN gemeinsam?

Wo liegen die Gemeinsamkeiten der beiden Traditionsklubs? 
Ich tue mich immer schwer, Klubs zu vergleichen. Das wird dem einen, aber auch dem anderen Verein nicht gerecht. Eines kann man aber schon herausstellen: In der Region haben die Vereine eine ganz große Bedeutung. Das erlebe ich hier in München, aber auch ganz egal wo wir hinfahren - nach Niederbayern, nach Oberbayern, nach Schwaben rüber. Sechzig hat einfach Gewicht! Das ist in Nürnberg nicht anders. Im Frankenland, im Altmühltal oder in der benachbarten Oberpfalz ist der Club eine Marke. Viele Menschen haben den Verein im Herzen. Für mich ist es das Schönste, wenn nach Spielen Leute zu mir kommen, sich freuen und stolz auf den Verein sind. Deswegen trainiere ich so gerne bei Vereinen wie Sechzig oder dem Club, weil du einfach so viele Leute erreichst. 

Sie sprechen es an: Die Löwen wie der Club bewegen ungemein viele Menschen, dementsprechend hoch ist das mediale Interesse. Lust oder Last für Sie? 
Ich formuliere es mal so: Wenn sich kein Mensch für den Verein interessieren würde, das wäre auch nichts. Wenn keiner wissen würde, dass ich Trainer bin und keiner wissen möchte, warum wir gewonnen oder verloren haben, dann würde ich mir selbst die Frage stellen: Was machst du eigentlich hier? Klar, solche Vereine sind eine Herausforderung. In München ist es vielleicht noch ein wenig krasser. Es gehen schon einige Stunden in der Woche für die Medienarbeit drauf. Aber das ist Teil des Geschäfts. Genauso wie ich mir beispielsweise Aufwärmübungen fürs Training überlege, bereite ich mich auch auf mediale Themen vor.

Aktiv als Autor: Michael Köllner hat schon drei Bücher auf den Markt gebracht.

Neben dem Fußballtrainer treten Sie auch als Autor in Erscheinung. Mittlerweile ist das dritte Buch von Ihnen auf dem Markt. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Das war eher zufällig. Damals, als ich noch Auswahltrainer in Ostbayern war, haben wir mal in der Nähe von Regensburg trainiert. Der Inhaber eines kleinen Verlags kam auf mich zu und meinte, man müsse das Ganze doch in einem Buch festhalten. Die Struktur dieser Fußballmannschaft, die Art und Weise wie sie spielt, systematisches Training, um dies zu entwickeln, spezielle Inhalte für eine Entwicklung von Mannschaften, Methodik - solche Sachen. Das war das erste Buch. Das Zweite, "Dein Weg zum Fußballprofi", ist ein Ratgeber für Spieler und deren Eltern geworden, weil immer viele Menschen auf mich zugekommen sind und Fragen zu vielen unterschiedliche Facetten des Fußballs hatten. Da dachte ich mir, das könnte man doch auch in einem Buch zusammenfassen. Das dritte Buch, "Führen, coachen & managen im Fußball" befasst sich mit dem Thema, an was ein Vereinstrainer und grundsätzlich ein Verantwortlicher in einem Verein alles denken muss. Ein Handbuch für alle Mitarbeiter in einem Fußballclub, wenn man so will. 

Ein willkommener Ausgleich neben dem hektischen Profizirkus? 
Unter willkommenem Ausgleich stelle ich mir eigentlich etwas anderes vor. (lacht) In erster Linie ist das für mich selbst. Ich reflektiere gerne meine Themen, vor allem wenn ich mit einer Station abgeschlossen habe. Aber auch Winter- oder Sommerpausen nutze ich gerne, um bewusst mal ein, zwei Wochen zu sinnieren: Was habe ich eigentlich das letzte halbe Jahr so gemacht? Da nehme ich mir dann auch jede einzelne Trainingseinheit vor und wühle mich so richtig durch den Laptop. Ich würde behaupten, das betreibe ich fast schon exzessiv. Es hilft mir dabei, auch eigene Fehler zu erkennen, meine Schlüsse daraus zu ziehen und Dinge zu optimieren. 

Zeiten ändern sich: Kabinenplakate gibt`s für die Spieler auf WhatsApp.

Welche zum Beispiel?
Ich habe immer gerne Plakate in der Kabine ausgehängt. Das kriegen jetzt meine Spieler schon immer einen Tag im Voraus via WhatsApp. Weil die Spieler gesagt haben, es wäre schön, wenn sie schon am Vortag wüssten, was sie am nächsten Tag in der Trainingseinheit erwartet und sie sich dementsprechend schon darauf vorbereiten könnten. Das ist jetzt nur eine Kleinigkeit. Aber ein gutes Beispiel dafür, dass wir Dinge fortlaufend entwickeln. Heißt im Umkehrschluss aber auch: Viele Sachen, die in den Büchern stehen, mache ich mittlerweile schon wieder anders. (lacht) 

Nach der Trainerkarriere werden wird es aber wohl nicht den erfolgreichen Krimiautor Michael Köllner geben? 
Ganz ausschließen möchte ich das nicht. (lacht) Ich bin im Krimi-Schreiben nicht so gut. (schmunzelt) Aber es wird schon noch das eine oder andere Buch von mir geben. Mich interessieren viele Sachen. Ein Buch über Führungsverhalten, was jetzt an sich mit Sport nicht viel zu tun hat, könnte ich mir zum Beispiel sehr gut vorstellen. Mentale Arbeit und mentale Entwicklung von Spielern finde ich auch sehr, sehr interessant. Jedes Buch, das ich geschrieben habe, hat mich weitergebracht, mich weiterentwickelt. Von daher muss ich wohl noch einige Bücher schreiben, um selbst besser zu werden. (lacht)

Die Kehrseite der Medaille: Kaum Zeit für Heimatbesuche.

Der Oberpfälzer an sich gilt als sehr geerdet und heimatverbunden. Trifft man Sie ab und zu sonntags beim Heimatverein in Fuchsmühl an? 
Nein, eigentlich nicht. Ich bin vielleicht alle drei Monate mal zuhause. Viele meinen ja immer, Profifußball sei so toll. Da sagen dann die Leute: Wow, der Köllner, der hat`s schön, der hat ein super Leben! Ich kann jedem sagen: Man sieht von außen nur einen kleinen Ausschnitt unseres Alltags. Egal was du erlebst oder feierst, du kannst es nicht oder maximal nur sehr, sehr kurz genießen. Nach einem erfolgreichen Auswärtsspiel sitze ich mit meinen Co-Trainer im Bus und analysiere das Spiel. Dann hast du genau einen freien Tag. An dem bist du aber dann damit beschäftigt, die Trainingswoche zu planen. Ich brauche drei bis vier Stunden, um ein normales Training vorzubereiten. Du hast als Trainer extreme Verantwortung und musst immer 100 Prozent da sein, das geht auch körperlich an die Substanz. Wenn wir Mist bauen, verlieren Leute hier im Verein vielleicht ihren Job. Aber trotzdem: Ich bin wahnsinnig gerne Trainer. 

Macht auch ein Privatleben nicht immer einfach. Bis zum letzten Spieltag der Saison - geplant am 22. Mai 2021 - werden Sie nicht viel Freizeit haben, zumal es dieses Jahr keine Winterpause geben wir. 
Die SG Fuchsmühl möchte mich seit längerer Zeit zum Ehrenmitglied machen. Ich habe aber noch nicht einmal Zeit gehabt, dafür einen Termin zu finden. Ich bin letztes Jahr 50 geworden und meine Grundschulklasse wollte endlich einmal ein Klassentreffen organisieren. Ich glaube, es lag immer ausschließlich an mir, dass wir keinen Termin gefunden haben. (lacht) Weil einfach nur die nächsten sechs, sieben Spieltage vorterminiert werden. Ich weiß es ganz einfach nicht, ob und wann ich zum Beispiel im Dezember mal Zeit haben werde.

Co-Trainer Günter Brandl kommt ebenfalls aus der Oberpfalz. Wie ist die Verbindung zustande gekommen? 
Ich kenne den Günter jetzt genau seit 20 Jahren. Wir sind dann zwei Jahre später eher zufällig in den gleichen Fußballlehrer-Lehrgang reingerutscht. Günter musste das machen, weil er damals ja den SSV Jahn in der 2. Liga trainiert hat und die Ausbildung brauchte bzw. vorgeschrieben war. Der DFB hat mir zu der Zeit nahe gelegt, dass es schon günstig wäre, wenn ich mich auch mal für den Lehrgang anmelden und die höchste Lizenz erwerben würde. (lacht) Und so haben wir eine Fahrgemeinschaft nach Köln gebildet. Er kam von Regensburg hoch, ich von Fuchsmühl rüber und ab Hersbruck sind wir dann gemeinsam gefahren. Wir haben später dann in der DFB-Talentförderung in Ostbayern zusammengearbeitet und viele bayerische Auswahlmannschaften zusammen gecoacht. Und so ist eine tiefe Freundschaft entstanden. Hier bei Sechzig hat es sich nun angeboten, dass ich noch zusätzlich einen Co-Trainer mitbringe - und das ist ganz gut so. 

 

TEIL 1 DES INTERVIEWS

Es herrschte mal wieder Untergangsstimmung. Als Löwen-Ikone Daniel Bierofka im November 2019 - von internen Querelen aufgerieben - entnervt die Brocken hinschmiss an der Grünwalder Straße, war der Aufschrei bei den Fans groß. Elf Monate später hat sich die Stimmung komplett gedreht, nichts mehr zu spüren vom Löwen-Blues. Der Hauptverantwortliche für die Transformation: Michael Köllner. Der Oberpfälzer hat es mit seiner bodenständigen Art geschafft, Mannschaft und Fans hinter sich zu vereinen.

Auf Initiative von FuPa-Reporter Dieter Rebel hatten wir die Möglichkeit, uns mit dem 50-Jährigen kurz nach seiner Vertragsverlängerung zu einem ausführlichen Interview im berühmten Löwen-Stüberl zu treffen. Im ersten Teil erzählt Michael Köllner, was den Ausschlag für sein weiteres Engagement bei den "Blauen" gegeben hat, was die große Schwierigkeit in dieser Saison ist und was er vom neuen Rivalen Türkgücü München hält.

FuPa: Glückwunsch Herr Köllner zur Vertragsverlängerung beim TSV 1860. Mussten Sie lange überlegen, um das neue Arbeitspapier zu unterschreiben? 
Michael Köllner (50): Gute Frage. (denkt kurz nach) Nein, eigentlich nicht. Im vergangenen November, als ich zu Sechzig kam, hatte ich mich dazu entschieden, zu dem Zeitpunkt kein längerfristiges Angebot anzunehmen. Ich wollte mir zunächst einen Überblick über den Verein verschaffen, immer mit der Frage im Hinterkopf: Ist das das Richtige für mich? 

Diese Frage konnten Sie offensichtlich mit ja beantworten. 
Das Thema kam dann natürlich spätestens im Sommer auf die Agenda. Ich war mit Günther Gorenzel im ständigen Austausch bezüglich der Kaderplanung und wurde zu dem Thema auch in der ein oder anderen Besprechung mit den Gesellschaftern und dem Präsidium hinzugezogen. Mir macht es riesigen Spaß, mit der Mannschaft und in diesem Verein zu arbeiten. Und ich denke, wir haben auch im Verein viele Dinge auf den richtigen Weg gebracht. Ums kurz zu machen: Ich musste nicht lange überlegen, den Vertrag zu verlängern. Ich bin unabhängig von all den bisher erzielten Ergebnissen dankbar, dass ich diesen Weg bei diesem Verein gehen darf.

Talententwickler? Darauf will sich Köllner nicht reduzieren lassen.

Sie kommen aus dem Nachwuchsbereich, waren jahrelang in der DFB-Talentförderung aktiv und haben in Nürnberg das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) geleitet. Hat die Aussicht, eine junge Mannschaft weiterzuentwickeln, den Ausschlag gegeben?
Ja, auch. Aber ich habe jetzt nicht den Eindruck, dass unsere beiden ältesten Spieler, Sascha Mölders und Stefan Lex, unter mir schlechter geworden sind. (lacht) Mir geht`s darum, nicht darauf reduziert zu werden, nur junge Spieler weiterentwickeln zu können. Wichtig ist mir: Wir haben derzeit 26 Mann im Kader - und ich bin der Trainer von allen. Da ist es mir egal, ob einer jung, alt, Links- oder Rechtsfuß ist. Das Entscheidende für mich ist, dass ich alle Spieler nach vorne bringe und jeder seine bestmögliche Form zeigen kann. Und ich habe schon das Gefühl, dass wir als Mannschaft Woche für Woche stärker werden. Es wird essentiell sein, am Ende der Saison noch mit im Rennen zu sein. 

Fast zeitgleich mit Ihrer Vertragsverlängerung tat sich Bemerkenswertes:  Zwei Trainer in der Bundesliga und Würzburgs Übungsleiter Michael Schiele, der die Kickers vor wenigen Wochen noch in die 2. Liga geführt hat, sind bereits nach zwei Spieltagen entlassen worden. Ist der Fußball noch schnelllebiger geworden? 
Zum Glück hat es bei Sechzig in den letzten Wochen und Monate keine so schlechten Nachrichten gegeben. (schmunzelt) Das muss man ein wenig differenziert sehen. Aus Trainersicht ist das natürlich nicht zu begrüßen, wenn man nach zwei Spieltagen freigestellt wird. Grundsätzlich muss man sich über ein Thema Gedanken machen: Wie komme ich auf die Idee, nach zwei Spielen den Trainer auszutauschen? Konnte man die Entwicklung nicht vor der Saison schon abschätzen? Andererseits stehen die Vereine in der derzeitigen coronabedingten Ausnahmesituation vor großen Fragezeichen. Keiner kann so richtig planen, der wirtschaftliche Druck steigt weiter - und auch dadurch ist der Druck auf die Vereinsverantwortlichen ungemein groß. Deshalb denke ich, wird noch eher versucht zu korrigieren. 

»Die Erwartungshaltung, dass wir jetzt vorne wegmarschieren, ist völlig fehl am Platz.«


Mit dem Saisonstart kann der TSV 1860 zufrieden sein. Das wird schon viele wieder träumen lassen. 
Ob es ein guter Start war, lässt sich erst nach etwa zehn Spieltagen sagen. Wir haben fünf externe Neuzugänge verpflichtet, davon drei Erfahrene: Neudecker, Salger und Pusic. Tallig bringt ein Jahr Erfahrung in der 3. Liga mit. Linsbichler soll die nächsten Jahre an den Profifußball herangeführt werden. Ansonsten geben wir Spielern aus dem NLZ die Chance, bei uns die nächsten Schritte zu machen. Die Erwartungshaltung, dass wir jetzt vorne wegmarschieren, ist völlig fehl am Platz. Denn eine Zahl muss am Ende auch zwingend beachtet werden: es verließen uns 18 Spieler.

Auch dieses Jahr scheint die 3. Liga wieder enorm ausgeglichen zu sein. Auf Dynamo Dresden als großen Aufstiegsfavoriten konnten sich die Experten einigen. Ansonsten gleicht die Liga einer Wundertüte. 
Corona, 20 Mannschaften in der Liga, komprimierter Wettbewerb ohne Winterpause. Das Ding müssen wir in seiner Schwierigkeit annehmen! Auch die 2. Liga ist ausgeglichen, da kann auch jeder jeden schlagen. Jede Liga ist kompliziert. Wir haben erst Ende September mit der Saison losgelegt, das Zeitfenster ist also extrem eng. Immer im Hinterkopf: Wenn die Infektionszahlen steigen, kann es wieder zum Lockdown kommen. Wir haben jetzt neun Wochen in Folge brutal trainiert, denn: Wir müssen durch den Winter kommen. Wir haben keine Korrekturmöglichkeit im Januar. Wir werden lediglich rund um Weihnachten ein paar Tage frei haben, um im Rhythmus zu bleiben (1. Ligapartie 2021 ist am 9. Januar, Anm.d.Red.). Das ist die große Herausforderung in Corona-Zeiten: Dich mit einem Thema zu beschäftigen, das du so noch nicht erlebt hast.

Der emotionale Faktor "Fans" fehlt. 

Wagen wir trotzdem eine kleine Prognose: Was dürfen die Sechzger-Fans diese Saison erwarten? 
Das ist relativ einfach: Unsere Fans dürfen eine Mannschaft erwarten, die zu Recht das Löwentrikot trägt. Und die Fans erwarten doch auch gar nicht, dass wir jedes Spiel 5:0 gewinnen. Sie wollen ehrlichen Fußball sehen und eine Mannschaft, mit der sie sich zu 100 Prozent identifizieren können. Dafür werde ich sorgen. Und wenn ich mir zu Gemüte führe, dass mittlerweile über 10.200 Dauerkarten abgesetzt worden sind, dann beweist das, was unsere Fans für ein gutes Gespür haben. Das hat mich tief beeindruckt, das ist phänomenal. 


Gutes Stichwort: Wie ist das im Moment für den Trainer Michael Köllner, wenn keine Fans im Grünwalder Stadion sind? Macht es das Coaching leichter, wenn man nicht die permanente Geräuschkulisse im Hintergrund hat? 
Könnte man meinen. Aber ein Spieler hört in Stresssituationen sowieso nicht immer alles, da ist es egal, ob es laut oder leise ist. Coaching im Spiel hat in der Regel eher motivierenden Charakter. Das Problem im Moment: Die größte Motivation geht von unseren Fans aus. Momentan muss ich die Fans ein wenig ersetzen und mehr reinbrüllen, damit manche in die Spur kommen bzw. dort bleiben. (lacht) Unsere Fans sind für uns ein hoher emotionaler Faktor, der uns im Moment verloren geht. Spieler wie Sascha Mölders leben von solch einer hohen Emotionalität. 

»Ich bin bei Sechzig wunschlos glücklich.«


Den Löwen erwächst in der Stadt ein Rivale, der vor drei, vier Jahren noch so gut wie keine Rolle gespielt hat. Türkgücü hat 20 (!) Neuzugänge für die 3. Liga verpflichtet. Sind Sie neidisch auf ihren Kollegen Alexander Schmidt? 
Neid ist der falsche Ausdruck. Ich bin kein Mensch, der jemand anderem etwas neidet. Wenn jemand 20 Neuzugänge zur Verfügung gestellt bekommt, dann gönne ich ihm das. Ich möchte nichts haben, was Türkgücü hat. Ich bin bei Sechzig wunschlos glücklich. 

Nehmen Sie Türkgücü als Konkurrenten wahr?
Ich kann mich noch an die 1980er oder 90er Jahre erinnern, als Türkgücü in der damaligen Bayernliga eine gute Rolle gespielt hat. Deswegen würde ich nicht sagen, dass uns ein neuer Konkurrent erwachsen ist. Sie sind dann - auch aus finanziellen Gründen - vom Radar verschwunden. Jetzt kommen sie wieder. Ich kenne Alex Schmidt sehr gut und habe auch ein paar Spieler schon trainiert, die nun im Kader von Türkgücü stehen. Das war`s aber dann auch schon mit Berührungspunkten.

Quelle: fupa.net
6. und 8. Oktober 2020
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