1860-Coach Köllner über Erfolgsstory, 2. Liga, Türkgücü & Mölders: Nicht „wie im Drehbuch“

Der TSV 1860 München und Trainer Michael Köllner gehen gemeinsam auf die Zielgerade eines nervenaufreibenden Aufstiegskampfs in der 3. Liga. Die „Löwen“ befinden sich nicht in der besten Ausgangsposition, wollen ihre Gelegenheit auf die Rückkehr ins deutsche Unterhaus nach fünf Jahren aber dennoch beim Schopfe packen. Im ausführlichen Transfermarkt-Interview spricht der 52 Jahre alte Köllner über seine Art von Fußball, die in die 2. Liga führen soll, die Folgen des Rückzugs von Türkgücü München, die Trennung von Sascha Mölders, seine Beliebtheit, schwierige Versprechen, einen geplatzten Transfer zu Swansea City und „superreizvolle“ Aufgaben.

Transfermarkt: Herr Köllner, blicken wir direkt aufs aktuelle sportliche Geschehen der umkämpften 3. Liga: Ihr Team führte am Wochenende bis zur 91. Minute gegen Saarbrücken, kassierte kurz vor dem Abpfiff das 1:1. Parallel siegte ihr direkter Konkurrent Braunschweig in letzter Sekunde mit 3:2 gegen Havelse. Ist Ihr Ärger nach diesem bitteren Ende schon verraucht?

Michael Köllner: Verärgert bin ich weniger. Die Zufriedenheit mit der gezeigten Leistung überwiegt deutlich. Saarbrücken rangiert mit einem Punkt vor uns in der Tabelle, wir haben sie in dem Spiel phasenweise dominiert. Für die verbleibenden sechs Spiele und das Saisonfinish ist entscheidend, dass wir eine solche Leistung aufbieten.

Transfermarkt: Passend dazu sagten Sie nach der Partie: „Wenn die Mannschaft in den nächsten Spielen so auftritt, werden wir noch ein gewichtiges Wort um den Aufstieg mitsprechen.“ Ist die 2. Liga also das ganz klare Ziel?

Köllner: Es ist ein Ziel, aber kein Muss. Wir befinden uns in einem Wettstreit mit vielen Teams, die aus der 3. Liga rauswollen. In jeder Liga gibt es Klubs, die sich eigentlich als zu gut für ihre Spielklasse einordnen. Auch in der 2. Liga sind einige Vereine, die sich eher in der Bundesliga sehen. Wir als TSV 1860 haben unter anderem Kaiserslautern, Magdeburg, Braunschweig, Osnabrück, Saarbrücken und den in dieser Saison leider schwächeren MSV Duisburg als Konkurrenz – die würden sich alle gerne in der 2. Liga wiederfinden. Wir sind froh, dass wir in den drei Spielzeiten, in denen ich hier bin, zum dritten Mal in Folge um den Aufstieg mitspielen können, und hoffen, dass wir nun sehr gut punkten. Wenn wir das tun, haben wir eine gute Chance, Zweiter oder Dritter zu werden. Der erste Platz ist bereits vergeben (an Tabellenführer Magdeburg; Anm. d. Red.).

Transfermarkt: Was ist aus Ihrer Sicht zwingend notwendig, um im Saisonfinale so aufgestellt zu sein, dass Sie noch einmal angreifen können?

Köllner: Das A und O ist die Art und Weise des Fußballs, sie ist entscheidend. Wir spielen einen sehr dominanten Fußball, gegen Saarbrücken haben wir körperlich sehr gut dagegengehalten, unheimlich gut gepresst, ein starkes Gegenpressing gezeigt und attackiert. Trotzdem haben wir bei eigenem Ballbesitz versucht, einen guten Ball zu spielen. Das wollen wir auch in den nächsten Wochen hinbekommen – dann haben wir eine gute Chance, um die Vergabe der Aufstiegsplätze mitzureden. Natürlich spielen auch andere Bereiche wie die mentale und körperliche Verfassung eine Rolle. Am Ende führen diese zu der Art von Fußball, die wir spielen.

Transfermarkt: Ist der Kader denn gut genug für den Angriff auf die 2. Liga aufgestellt? Stimmen die Voraussetzungen?

Köllner: Es müssen viele Faktoren bei uns zusammenkommen, damit wir aufsteigen können. Ich glaube, dass wir nicht den stärksten Kader und höchsten Etat in der Liga haben. Sicherlich haben wir gute, aber bestimmt nicht die besten Voraussetzungen. Wir versuchen trotzdem, unsere Aufgaben zu erledigen und die Mannschaft bestmöglich vorzubereiten – unabhängig vom Alter der Spieler. Wir haben es im vergangenen Jahr geschafft, dass unsere älteren Spieler ihren Leistungshorizont noch einmal erreichen oder sogar die beste Saison ihrer Karriere spielen, wie zum Beispiel Sascha Mölders oder Phillipp Steinhart. Parallel dazu haben wir junge Spieler wie Leandro Morgalla und Fabian Greilinger in eine Top-Verfassung gebracht. Der richtige Mix ist der Schlüssel, auch für die nächsten Wochen. Alles, was wir haben, werden wir in die Waagschale werfen. Aktuell plagen uns einige Verletzungssorgen, aber das ist für uns keine Ausrede. Das haben wir auch gegen Saarbrücken gesehen.

Transfermarkt: Die 3. Liga wurde vom Rückzug Türkgücü Münchens erschüttert, die Tabelle wurde kürzlich durcheinandergewirbelt – und Sie profitierten wie kein anderes Team. Wie gehen oder gingen Sie mit diesem unverhofften Vorteil um?

Köllner: Grundsätzlich ist es kein Ruhmesblatt, wenn in der 3. Liga jedes Jahr ein Verein eine Insolvenz durchlebt. Da muss sich die Liga fragen, wie man so etwas künftig vermeiden oder zumindest bei der Lizenzierung die Realitäten genauer betrachten kann, damit ein sportlicher Wettbewerb über die ganze Saison hinweg möglich ist.

TSV 1860 profitierte von Türkgücü Münchens Rückzug – Köllner: „Können nichts dafür“

Transfermarkt: Und wie bewerten Sie ganz konkret die Regelauslegung zu Ihren Gunsten?

Köllner: Wir bedauern diese Situation in der Liga, aber wir können als TSV 1860 nichts dafür, dass ein anderer Verein in finanzielle Schwierigkeiten gerät. Man muss aufpassen, dass man nicht die Täter- und Opferrolle verwechselt. Ich hoffe, dass wir am Ende nicht als Täter hingestellt werden und Dinge hinnehmen müssen, für die wir nichts können. Wir sind in diesem Dilemma nun mittendrin, obwohl wir dafür rein gar nichts können. Wir möchten allen Fans einen sportlich fairen und attraktiven Wettbewerb bieten. Es geht darum, die Leute zu packen. Die Situation darf jetzt nicht dazu führen, dass wir die Leidtragenden sind, weil es heißt, dass wir profitieren. Ich hoffe nicht, dass die Denkweise im Unterbewusstsein verankert ist, dass man aufgrund dessen etwas ausgleichen muss.

Transfermarkt: Können Sie denn die Wut der Konkurrenz um den 1. FC Saarbrücken verstehen? Der Klub verlor seine sechs Punkte und rutschte dadurch auf Rang vier ab.

Köllner: Natürlich kann ich es verstehen, dass man sich ein Stück weit um den Lohn seiner Arbeit gebracht und betrogen fühlt. Die Wut darf sich aber niemals gegen uns richten. Die kann sich vielleicht gegen Türkgücü richten oder gegen den DFB, der für den Wettbewerb zuständig ist. Am vergangenen Wochenende gegen Saarbrücken lief im Stadion aber alles fair ab, es war nicht ansatzweise Zorn uns gegenüber zu spüren. Beide Seiten haben alles für ein hochkarätiges Spiel getan.

Transfermarkt: Wir haben auch einige Fragen aus der TM-Community für Sie mitgebracht. Unter anderem: Glauben Sie, dass die Trennung von Sascha Mölders der richtige Schritt war? Oder fehlt der Routinier als Offensivoption im Saisonendspurt? (Frage von User „Barbo“)

Köllner: Grundsätzlich gilt: Sascha Mölders war für 1860 München ein Superspieler und hat viele Tore gemacht und somit zu den Erfolgen der vergangenen Jahre beigetragen. Seine Auszeichnungen zum Spieler der Saison 2020/21 und zum Torschützenkönig waren herausragend. Aber es geht immer um das Hier und Jetzt. Für die Vergangenheit kannst du dir nichts mehr kaufen. Du musst im Leistungssport jeden Tag abliefern. Und die Leistungen waren nicht mehr so stark wie im Vorjahr. In diesem Kontext ging es um die Rolle, die er im Team einnehmen wollte. Zwischen ihm und mir gab es diesbezüglich unterschiedliche Vorstellungen. In solchen Fällen ist es normal, dass man sich trennt. Man würde die Dinge manchmal gerne wie im Drehbuch lösen, aber der Fußball ist nun einmal anders gestrickt, es wird Woche für Woche abgerechnet. Sascha hat eine neue Aufgabe gefunden (bei Sonnenhof Großaspach; d. Red.) und geht darin super auf. Ich drücke ihm alle Daumen.

Transfermarkt: Stefan Lex ist seit Mölders‘ Abgang neuer Kapitän und ein eher ruhiger Zeitgenosse. Warum wirkt die Mannschaft manchmal gehemmt und leise auf dem Platz, wenn sie hinten liegt? Deckt sich das mit Ihren Eindrücken? (Frage von User „Barbo“)

Köllner: Nein. Jeder Spieler hat seine eigene Historie und seine eigene Art. Es geht nicht darum, Spieler zu vergleichen, sondern alles dafür zu tun, um möglichst erfolgreich zu sein. Daran orientieren wir uns. Ich glaube, dass Stefan die Mannschaft anders führt und die Führung des Teams auf mehrere Schultern verteilt worden ist. Stephan Salger ist dazu ein wichtiger Fixpunkt in unserer Mannschaft. Weil Sascha Mölders nicht mehr da ist, müssen andere in die Bresche springen. Auch die jungen Spieler können sich einbringen. Wir haben seit Dezember einen Zwei-Punkte-Schnitt – das ist außergewöhnlich und würde normalerweise zum Aufstieg reichen. Wenn wir diesen Weg mit diesem Schnitt weitergehen, Nuancen verbessern und jeden kommenden Tag positiv gestalten, haben wir eine gute Aufstiegschance. Das interessiert mich mehr als zurückzuschauen. Aktuell fahren wir sehr gut damit.

Transfermarkt: Wir haben natürlich einen Blick in die Trainer-Historie des Klubs gewagt. Sie haben kürzlich Reiner Maurer übertroffen, der zwischen 2010 und 2012 insgesamt 871 Tage im Amt war. Seit Werner Lorant (1992 bis 2001) hielt es keinen Cheftrainer so lang wie Sie auf der TSV-Bank. Fühlen Sie sich als Ausnahmeerscheinung bei den „Löwen“?

Köllner: (lacht) Es ist natürlich etwas Besonders, bei 1860 München Cheftrainer zu sein. Es ist ein Traditionsverein, der immer wieder mal für Highlights sorgt, aber nicht über einen konstanten Zeitraum – das schaffen auch nur wenige Klubs. Es ist spannend und schön, so lange dabei zu sein. Wenn man sich die Vergangenheit anschaut, waren erfolgreiche Trainer wie Max Merkel, Karsten Wettberg, Werner Lorant und auch mein Vorgänger Daniel Bierofka dabei. Dass ich seit mehr als 100 Spielen hier bin, ist außergewöhnlich und freut mich. Das zeigt, dass die Dinge, die wir machen, nicht so verkehrt sein können. Sonst würden die Leute mir nicht so lange das Vertrauen schenken.

Aufstieg mit dem TSV 1860 wäre für Köllner „das Highlight schlechthin“

Transfermarkt: Ein paar Jahre müssten Sie bis zu Lorants Rekord aber noch durchhalten…

Köllner: Am Ende geht es im Profifußball immer um Erfolg mit der Art und Weise, wie man Fußball spielt. Mit unserem Stil haben wir stets um den Aufstieg mitgespielt und kein großes Tal der Tränen durchleben müssen. Zudem haben wir auch alle wirtschaftlichen Themen trotz der Corona-Pandemie top bewältigen können. Bis jetzt ist es eigentlich eine Erfolgsstory. Und ich hoffe natürlich, dass die Erfolgsstory mit dem Aufstieg und dem großen Coup gekrönt wird. Das wäre das Highlight schlechthin.

Transfermarkt: Wie machen Sie es, dass Sie – trotz bislang ausbleibendem Aufstieg – verhältnismäßig beliebt sind und auch in den Medien ein relativ sorgenfreies Leben genießen? Wie nehmen Sie das Umfeld wahr? Siege erzeugen schließlich schnell Euphorie, während bei Niederlagen kalter Gegenwind bläst. (Frage der User „Barbo“ und „TheLibrarian“)

Köllner: Für mich war von Anfang an wichtig, bei 1860 ein Trainer für alle zu sein. Bei meiner Vertragsunterzeichnung war es für mich elementar, dass der Verein einen nachhaltigen und langfristigen Plan verfolgt. Nur so kann man etwas entwickeln. Auf der anderen Seite merken die Leute, dass ich den Klub 24 Stunden sieben Tage die Woche lebe. Ich bin nicht hier, um ein paar Monate zu verbringen, sondern will etwas schaffen, den Verein weiterbringen und jeden einzelnen Fan, der in der Westkurve steht und seinen letzten Euro gibt, um seine „Löwen“ im Stadion anzufeuern, dabei mitnehmen. Es geht bei einem Traditions- und Arbeiterverein wie 1860 München um Identifikation und Identität. Und die Art und Weise des Fußballs muss zu ihm passen. Wenn man das versteht, hat man eine längere Haltbarkeitszeit im Verein. Aber über allem steht der Erfolg, er ist die Zugmaschine. Dass wir den Klub trotz Corona wirtschaftlich stabil gehalten haben, ist noch einmal höher zu bewerten als der sportliche Erfolg.

Transfermarkt: Können Sie das Versprechen abgeben, dass Sie nicht gehen, bis der Aufstieg geschafft ist? (Frage von TM-User „Barbo“)

Köllner: Das ist eine schwierige Frage, die nicht allein von mir abhängt. Man muss für sich immer klären: Bin ich zum richtigen Zeitpunkt noch an der richtigen Stelle? Das muss immer gegeben sein. So fühlt es sich für mich seit zweieinhalb Jahren an. Ich bin froh, dass wir stabil sind und auch im dritten Jahr mehr Siege als Niederlage erleben. Wenn es für mich und den Verein gleichermaßen matcht, ist es super. Sollte das eines Tages nicht mehr der Fall sein, bedeutet das für beide Seiten auch eine neue Chance.

Transfermarkt: Vor Ihrem Engagement beim TSV 1860 waren Sie auf dem Sprung zu Swansea City, konnten aber in der Eile kein komplettes Trainerteam zusammenstellen, weshalb der Transfer platzte. Wird es in Zukunft einen neuen Anlauf geben mit Blick auf die Insel?

Köllner: Die Aufgabe hätte mich schon gereizt. Es ist etwas Besonderes, als Trainer auf der Insel wirken zu dürfen. Das hätte meinen Horizont erweitert. Ich glaube, die Bedingungen haben sich dort mittlerweile geändert. Wegen des Austritts aus der EU und den damit verbundenen arbeitsrechtlichen Bedingungen ist es nicht mehr so leicht, Trainer in England zu werden. Momentan würde es für mich wohl keine Chance geben, eine Arbeitserlaubnis zu bekommen. Nichtsdestotrotz habe ich mich in den vergangenen zweieinhalb Jahren bei 1860 München weiterentwickelt. So eine Entscheidung, wie zum Beispiel die bezüglich Sascha Mölders, ist schwer. Aber als Cheftrainer und Führungskraft darfst du dich nicht drücken, sondern musst vorangehen. Da macht man in der persönlichen Entwicklung noch einmal einen Sprung.

Transfermarkt: Welche Art von Job reizt Sie?

Köllner: Es muss immer eine Aufgabe sein, von der ich denke, dass sie sportlich superreizvoll ist. Ich hatte und habe das große Glück, dass ich mit dem 1. FC Nürnberg und dem TSV 1860 München zwei ganz besondere Vereine trainieren durfte bzw. noch immer trainieren darf. Und jetzt wollen wir gemeinsam massiv erfolgreich sein, darauf liegt die volle Konzentration.

Nachwuchsfußball beim TSV 1860: Trainer Köllner kennt alle Ergebnisse

Transfermarkt: 1860 ist bekannt für seine tolle Jugendarbeit mit guten infrastrukturellen Voraussetzungen. Welche Schritte wären aus Ihrer Sicht nötig, um 1860 zu einem stabilen und langfristig erfolgsorientierten Verein zu entwickeln? (Frage von User „TheLibrarian“)

Köllner: Das ist ein vielschichtiges Thema. Ich denke, dass auf vielen Ebenen die richtigen Entscheidungen getroffen werden müssen. In erster Linie brauchst du ein gutes Nachwuchsleistungszentrum, dazu ist die Spielklasse der Junioren ein wichtiger Faktor. Unsere U19 ist auf gutem Wege, in die Bundesliga zurückzukehren, während die U17 darum kämpft, nicht als einer von vielen Absteigern runter zu müssen. Es ist aktuell ein Horrorszenario in dieser Liga. Darüber hinaus ist es wichtig, gute Jugendtrainer und die richtigen Leute für den Übergang zu den Profis zu haben – welche, die es mit ganzem Herzen für den Verein und nicht für sich selbst machen. Ich sehe bei uns im Klub viele Menschen, die es gerne machen und alles für ihn tun. Als stabiler Verein, der kleinere Krisen problemlos aushält, darfst du keine zwei, drei falschen Entscheidungen auf strategischer Ebene treffen, denn die hauen dich letztendlich um. Man sieht in der Bundesliga und 2. Liga, letztlich in jeder Profiliga, dass Vereine dadurch ins Wanken geraten können.

Transfermarkt: Inwieweit haben Sie die Junioren-Teams stark im Blick?

Köllner: Ich schaue sehr viele Spiele und bin am Montag über alle Ergebnisse der Jugend informiert. Ich bin häufig vor Ort, auch bei der U9 oder beim Training sehe ich hin. Grundsätzlich ist es für mich immer interessant, auch den Jüngeren beim Fußball zuzuschauen und mich mit meinen Trainerkollegen auszutauschen. Das eröffnet einem immer wieder neue Dimensionen und man erinnert sich, warum man eigentlich Fußball spielt. Wir tun das im Ursprung nicht, um Geld zu verdienen, sondern weil Fußball das Schönste ist, das es gibt. Kinder haben, völlig losgelöst von Ergebnissen, einfach Spaß am Spiel. Sie sind mit dem Herzen dabei, es zeigt den Kern dieser Sportart. Ich bekomme immer wieder neue Impulse und Eindrücke. Deshalb nutze ich jede Möglichkeit und bin relativ nah dran, ohne jedes Detail zu wissen. Vorteilhaft ist, dass auf unserer Anlage alles engmaschig beieinander ist.

„Ich habe einen großen Vorteil: Ich bin nicht auf eine bestimmte Idee festgelegt.“
- Michael Köllner -

Transfermarkt: Welche Personen haben Sie in Ihrer Weise, Fußball zu zelebrieren und spielen zu lassen, am meisten geprägt? (Frage von „SechzgerThomas“)

Köllner: Ich war in der vergangenen Woche beim Fußball-Kongress in Österreich, es waren viele Idole aus meiner Zeit dabei. Marco van Basten habe ich für die Art, wie er Fußball gespielt hat, verehrt. Ich saß mit Peter Stöger oder Thomas Doll zusammen, man tauscht sich aus, das eröffnet einem neue Ideen. Jeder liebt und lebt den Fußball auf seine Weise, da kannst du immer etwas mitnehmen. Ich habe einen großen Vorteil: Ich bin nicht auf eine bestimmte Idee festgelegt.

Transfermarkt: Was bedeutet das konkret?

Köllner: Mir gefällt, wie unter Pep Guardiola und früher Johan Cruyff Fußball gespielt wird bzw. wurde, die Aktivität und die Qualität im eigenen Ballbesitz. Aber ich weiß, dass die Red-Bull-Schule ebenfalls ein großes und erfolgversprechendes Modell ist. Ich habe ein paar Tage das NLZ in Salzburg besucht und bei Marco Rose zu dessen Gladbacher Zeit eine Woche lang im Trainingslager zugeschaut. In Nürnberg hatte ich einen Athletiktrainer, der vorher lange Jahre bei Red Bull war. Da nimmst du viel mit. In meiner Zeit beim DFB habe ich ganz häufig Louis van Gaal beim Training des FC Bayern und live bei vielen Spielen verfolgt, weil ich in der Nähe wohnte. Es ist entscheidend, dass du als Trainer alle Einflüsse zulässt und für dich abwägst. Das eine oder andere Element kann man auf die eigene Art und Weise des Fußballs, von der man persönlich überzeugt ist, einwirken lassen. Das ist mir gelungen. Ich war in den ersten vier Ligen Deutschlands Trainer und habe jede Altersgruppe trainiert, angefangen von der U8 bis hin zu Frauenteams. Diese 30-jährige Trainer-Erfahrung versuche ich zu einem Bild zusammenzufügen, ohne dass ich es als komplett verstehe. Es geht immer weiter. Ich hoffe, dass mein Weg nicht zu Ende ist und ich weiter dazulerne.

Interview: Philipp Marquardt (PhilippMrq)

Quelle: transfermarkt.de
7. April 2022
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