Leidenschaftlicher Fußball statt Rechenspiele – ein Kommentar

Abstiegskampf? Aufstiegskampf? Scheiß egal – wir wollen leidenschaftlichen Fußball sehen. Ein Kommentar.

Als Abstiegskandidat Nummer 1 wurde der TSV 1860 München zu Beginn der Saison gehandelt. Und das nicht nur vor der Verpflichtung von Prince Owusu, Timo Gebhart und Tim Rieder, sondern auch danach. „Löwen wappnen sich für den Abstiegskampf“, titelte die Abendzeitung Ende Oktober 2019. Laut Süddeutscher Zeitung schwörte „Trainer Daniel Bierofka den TSV 1860 München auf den Abstiegskampf ein.“ Und auch Günther Gorenzel wollte nach den Last-Minute-Verpflichtungen nicht von einem neuen Saisonziel sprechen. Nicht nur bis zum Weggang von Daniel Bierofka blieb das Saisonziel der Klassenerhalt. Auch in den ersten Spielen unter Köllner blieb die Zielsetzung unverändert.

In der Zwischenzeit hatten die Löwen eine große Serie. Blieben 16 mal ungeschlagen. Die Erwartungshaltung stieg enorm. Plötzlich war von Aufstieg die Rede. Freilich ist dieser Wunschgedanke nach den letzten drei Spielen wieder etwas gedämpft. Einen Sieg und zwei Niederlagen holten die Löwen. Eine Boulevard-Zeitung titelt heute „Letzte Chance im Aufstiegskampf“.

Nun, ein Aufstieg, so munkelt man, ist wirtschaftlich bitter notwendig. Sonst könnte die Insolvenz den Löwen näher sein als je zuvor. Wobei dieses Gespenst irgendwie immer da ist. Das trübt den Sport. Ein Aufstieg aus wirtschaftlichen Gründen? Als Fan macht dieser Gedanke kaum Freude. Diese Störgeräusche bringen weit weg vom eigentlichen Sport. Der TSV 1860 München sollte mit Leidenschaft, Kampfgeist und Willle siegen. Jeder einzelne Spieler sollte sportlich sein Potential abrufen, weil es um Fußball geht. Die Nebengeräusche sind unfair. Aber eben immer da. Manchmal, wenn man sie erwähnt, spricht man von Unzeiten. Aber ganz ehrlich: bei den Löwen gibt es keine richtige Zeit. 1860 ist ein Dauer-Junkie im medialen Sinne.

Kein Spieler ist auch nur annähernd für die wirtschaftliche Lage verantwortlich. Und die Mannschaft ist auch nicht dafür da, die finanzielle Krise zu bewältigen. Das gilt es festzulegen. Als Fan kann man sich nur wünschen, dass auf dem Platz der Focus auf dem Sportlichen liegt. Das jeder Spieler aus Leidenschaft spielt und nicht aufgrund des äußeren Drucks. Denn wir Fans wollen eben genau das sehen: keine Rechenspiele sondern leidenschaftlichen Fußball. Und wir wissen, dass wir eine tolle Mannschaft haben.

Quelle: loewenmagazin.de
16. Juni 2020
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