Offener Brief an Michael Köllner

Wer für uns der Löwe des Jahres ist

Natürlich wünschen wir allen Löwinnen und Löwen eine erholsame, staade Zeit und ein besinnliches Weihnachten. In unserem heutigen offenen Brief möchten wir dies jedoch vor allem einer Person wünschen: Michael Köllner.

Über ein Jahr ist es nun her, seit Du die Profimannschaft der Löwen übernommen hast. Die Profimannschaft eines der herausforderndsten Klubs Deutschlands. Mit inneren Querelen, Streitereien, Emotionen und einem ständigen Auf und Ab. Der TSV 1860 München gleicht einer Achterbahn. Viel Geschrei gibt es, geht es nach unten, viel Lob und Anerkennung, wenn es wieder nach oben geht. Anders als jedoch bei einer regulären Achterbahn, ist es nicht etwa der Adrenalin-Kick, der von viel Geschreie und Gezetere begleitet wird, sondern die panische Angst vor dem Fallen. Die Löwen sind stets himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt.

Als Trainer der Löwen hast Du unsere Achterbahn zu einer Autobahn gemacht. In der es vorwärts geht. Nicht immer mit Vollgas. Und manchmal wird man auch überholt. Aber mit Blick nach vorne. Alleine dafür gebührt Dir Dank. Man kann nur hoffen, dass viele Fans dieses Geschenk annehmen und mitziehen.

Menschen zu führen ist eine der komplexesten und herausforderndsten Aufgaben. Sie bedarf Feingefühl, einer konsequenten Methodik und ausgereifter Didaktik. Als Trainer bist Du Anführer, Planer, Betreuer und Mutter der Profimannschaft. Du bist Förderer jedes Einzelnen und das Bindeglied aller. Wenn ein guter Trainer etwas vollendet hat, dann merkt man es daran, dass die Leute sagen „Wir haben es geschafft!“ Für uns die wesentliche erkennbare Leistung Deiner Arbeit als Trainer bei den Löwen.

Es ist nicht einfach, Löwe zu sein. Viel schwerer ist es jedoch, Löwen zufrieden zu stellen. Und noch viel schwerer ist es, unter Löwen Verantwortung zu übernehmen. Sinnvolle Verantwortung. Aktionismus gibt es genug. Auch von uns Fans.

Für unsere Redaktion bist nicht Du der Löwe des Jahres. Sondern Deine Mannschaft, Dein Team und alle um Dich herum. Aus dem einfachen Grund: weil Du uns diesen Teamgeist gelehrt hast. Weil Du diesen Teamgeist vorlebst. Dafür danken wir als Fans. Danke für diese oft leisen Töne.

Dir, Deiner Familie, allen Deinen Schützlingen, Mitarbeitern und Helfern wünschen wir ein besinnliches Weihnachtsfest, Gottes Segen und eine erholsame Zeit. Wir wissen, dass Du es von Herzen weitergibst. Jedem Menschen, dem Du begegnest.

Löwengrüße
Das Fanzine Löwenmagazin

Quelle: Löwenmagazin
18. Dezember 2020
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Michael Köllners Reaktion auf unseren offenen Brief

Michael Köllner hat unseren offenen Brief „wer für uns der Löwe des Jahres ist“ nicht nur gelesen, sondern sich die Zeit genommen zu antworten. Als offenes Fanzine möchten wir euch allen diese Antwort nicht vorenthalten. Das Löwenmagazin seid auch ihr. Als Mitglieder unserer Löwenheimat Giesing e.V., als Sponsoren, Unterstützer, Kommentatoren und als Leser.


Liebes Löwenmagazin,

ich habe den offenen Brief an mich gelesen. Und meine erste Reaktion kann ich gar nicht in Worten beschreiben bzw. in Worte fassen. Ich war (bzw. bin immer noch) gerührt, berührt und ergriffen. Ihr Brief hat mich im positiven Sinne sehr getroffen. Es freut mich natürlich, dass die Fans mit meiner und unserer Arbeit zufrieden sind und auch bestimmte „Sprachrohre“ der Fans, wie zum Beispiel das Löwenmagazin, dies auch so kommunizieren. Ihr offener Brief hat sehr, sehr vieles auf den Punkt gebracht. 1860 ist etwas Besonderes – auf allen Ebenen. Fußball ist Teamsport und am Ende ist eine starke Mannschaft der Schlüssel. Es geht um die Anforderungen an einen Trainer, wie Führungskompetenz, Empathie und Verantwortung. Es geht um viele Rädchen, die ineinandergreifen müssen, um zahlreiche Protagonisten, die zum großen Ganzen ihren Beitrag leisten. Jeder von ihnen ist wichtig, jeder hat seine Rolle und seinen Anteil. Als Cheftrainer ist die Rolle sicherlich etwas exponierter und ich bin mir meiner Verantwortung als Führungskraft mehr als bewusst. Diese hat bei einem großen Verein eine riesige Tragweite. Die großartige Unterstützung durch unsere Fans weckt ein Verantwortungsgefühl. Die großartige Unterstützung unserer Sponsoren weckt ein Verantwortungsgefühl. Das Mitfiebern einer Stadt und ihrer Bewohner mit ihrem riesigen Einzugsgebiet für einen Verein weckt ein Verantwortungsgefühl. Und die Unterstützung und das Vertrauen durch die Gremien eines Vereins und durch die Vereinsführung weckt ebenfalls ein Verantwortungsgefühl. Aber das größte Gefühl von Verantwortung ruft deine Mannschaft in dir hervor, jeder einzelne Spieler. Du bist jeden Tag in einer Verbindung mit der Mannschaft und jedem Spieler. Die Mannschaft ist deine Familie. Hier wird verbal oder nonverbal vieles gesprochen aber vor allem versprochen. Dies immer einzuhalten ist die größte Verantwortung für mich als Trainer.
Letztlich geht es bei jeder Form des Miteinanders, die ich hier aufgezählt habe, immer um den Menschen. Er steht im Mittelpunkt.

Aus zahlreichen Jahren als Trainer weiß ich, wie der Fußball und der Profifußball ticken. Die Wahrnehmung ist intern wie vor allem auch extern ein entscheidender Faktor. Und diese Wahrnehmung verändert sich oft in kurzen Zeitabschnitten. Die Ansprüche verschieben sich. Im Sommer haben viele gesagt, sie wären froh, wenn wir in der aktuellen Saison die Liga halten können. Und mit dem gleichen Kader kann nun, wenige Monate später, die Wahrnehmung entstehen, dass ein Platz 5 oder 7 zum Saisonende eine Enttäuschung ist. Wir beeinflussen das, was wir beeinflussen können, und geben jeden Tag unser Bestes, um das maximal mögliche herauszuholen. Was das am Ende sein wird, kann niemand vorhersagen.

Aber eins kann ich versichern: Genauso, wie jeder in unserem Team, bin ich mir meiner Verantwortung immer bewusst und versuche, mein maximal Bestes jeden Tag zu geben. Der TSV München von 1860 ist für mich eine Herzensangelegenheit geworden. Und ich werde alles dafür tun, dass sich unser Verein und unsere Mannschaft weiter entwickeln und der eingeschlagene Weg weiter fortgeführt wird. Stabilität, Ruhe und Vertrauen sind enorm wichtige Parameter für Erfolg. Und Erfolg wünschen wir uns am Ende alle – aber zu Bedingungen, die zum Wohle des Vereins sind.

Ich wünsche der gesamten Löwenfamilie von Herzen eine besinnliche „Restadventszeit“, ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2021, verbunden mit den besten Wünschen, Gottes Segen und Nähe für 2021. Abschließend will ich Ihnen meine nachfolgende Lieblingsgeschichte nicht vorenthalten. Sie sagt soviel aus und ist DER Anker für ein tolles Leben.     

ELIL

Michael Köllner
Chef-Trainer



SPUREN IM SAND

Ein Mann hatte nachts einen Traum.

Er träumte, dass er mit Gott am

Strand entlang spazieren ginge.

Am Himmel zogen Szenen

aus seinem Leben vorbei.

Und für jede Szene

aus seinem Leben waren

Spuren im Sand zu sehen.

Als er auf die Fußspuren im Sand

zurückblickte, sah er,

dass manchmal zwei Spuren

und manchmal nur eine Spur da war.

Er bemerkte weiter,

dass sich zu Zeiten größerer Not und Trauer

nur eine Spur zeigte.

Deshalb fragte er den Herrn.

„Herr, ich habe bemerkt,

dass zu den traurigen Zeiten

meines Lebens nur eine Spur zu sehen ist.

Du hast aber versprochen,

stets bei mir zu sein.

Ich verstehe nicht, warum du mich da,

wo ich dich am nötigsten brauchte,

allein gelassen hast.“

Da antwortete der Herr:

„Mein lieber Freund, ich liebe dich

und würde dich niemals verlassen.

In den Tagen, in denen du am meisten

gelitten und mich am nötigsten gebraucht

hast, wo aber nur eine Spur zu sehen war,

da habe ich dich getragen.“
Aus Taize

Quelle: Löwenmagazin
19. Dezember 2020
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