Respekt und Nächstenliebe

Löwen-Coach Michael Köllner sprach online über werteorientiertes Führen

Der Löwen-Trainer Michael Köllner (51) war zu Gast im Online-Talk beim Kreisbildungswerk Bad Tölz-Wolfratshausen (KBW): Es ging um werteorientierte Führung.

Wo besteht eigentlich die Verbindung zwischen Theologie und dem TSV 1860 München? Für den eingefleischten Löwenfan liegt es auf der Hand: Ein „langer Leidensweg“ und eine „unerschütterliche Hoffnung“. So wird der „Philosoph des grünen Rasens“, Michael Köllner, beim Online-Event des KBW vorgestellt. Vor insgesamt 39 Teilnehmern redet Köllner im Zoom-Meeting über das werteorientierte Führen von Menschen – genauer gesagt, das Führen seines Trainerteams und seiner Fußballmannschaft.

Kirchlich geprägt

28 Mann hat er gerade in seinem Kader und zehn Mitarbeiter in seinem Trainerteam: „Da sind Atmosphäre und Team-Spirit entscheidende Begriffe“, betont Köllner. Der 51-Jährige gewährt den Zuhörern beim Live-Talk aber nicht nur Einblicke, wie er seine Mitarbeiter konkret führt, sondern auch, wie die Kirche seinen bisherigen Lebensweg geprägt hatte. Ursprünglich wollte der gebürtige Fuchsmühler nämlich Pfarrer werden. Als jedoch die lokale Pfarrer-Legende, Pater Giesbert , nach Duisburg strafversetzt wurde, änderten sich Köllners Pläne: „Das man nach Duisburg versetzt werden kann...und auch das Zölibat war für mich ein eher schwieriges Thema. Dann war das mit dem Pfarrer-werden dann doch vom Tisch.“

Später machte Köllner auch noch prägende Erfahrungen in einem kirchlichen Internat. „Es war eine sehr harte Zeit. Körperliche Züchtigung und suizidgefährdete Kinder – danach war die Bundeswehr wie ein Ferienlager“, berichtet der Löwen-Trainer, der inzwischen seinen Frieden mit der Internatszeit gemacht hat.

Generell kommt Köllner mit der Kirche als Institution nicht klar. „Die Kirche spielt derzeit höchstens in der dritten Liga und leider habe ich kein 20-seitiges Dossier in meinem Nachtkastl, damit die wieder Champions League spielen – wir spielen ja selbst bloß dritte Liga“, lacht der Löwen-Coach. Aus seinen Erfahrungen mit der katholischen Kirche und dem Glauben zog Köllner diverse Lehren und Schlussfolgerungen für seinen Umgang mit den Spielern und dem „Coaching Staff“.

Christliche Werte vermitteln

Zwar versucht er als Trainer, seinen Spielern christliche Werte zu vermitteln, betont jedoch auch: „Ich muss die Mannschaft ja auch nicht auf einer Ebene erreichen, dass da am Schluss 20 Theologiestudenten rausgehen.“ Menschen wollen laut dem 51-Jährigen nämlich Botschaften fürs Leben. Auch im Fußball sollten seiner Meinung nach Liebe, Respekt und Nächstenliebe in einem positiven Ansatz vermittelt werden, und man sollte nicht immer nur „Buße tun“.

Der Trainer des TSV 1860 München legt zudem viel Wert auf Kontinuität bei seinem Führungsstil: „Es bringt wenig einmal in der Vorbereitung in den Hochseilgarten zu fahren“, lacht Köllner. Laut dem Löwen-Coach muss die Wertevermittlung in einer Fußballmannschaft von Nachhaltigkeit geprägt sein, um bei den Spielern die Glaubwürdigkeit zu behalten. Wiederkehrende Symbolik spielt bei dem gebürtigen Fuchsmühler also eine größere Rolle als einmalige Aufmunterungs- und Motivationsversuche. Köllner arbeitet beispielsweise öfters mit dem Leitbild des Free-Climbers, der ohne Absicherung klettert. Demnach ist für Köllner der nächste Schritt von essentieller Bedeutung – denn sonst „schmiert man ab und findet sich am Boden der Tatsachen wieder“. Das kontinuierliche Einarbeiten solcher Schaubilder steht in seinem Führungskonzept sehr weit oben.

Auch beim Wecken von zu hohen Erwartungen im Profifußball warnt Köllner. Der Löwen-Coach weiß, wie diese ein Führungskonzept über den Haufen werfen können: „Klar kann ich im Vorhinein sagen, dass ich Dresden aus dem eigenen Stadion schieße und am Schluss 25 Punkte vor denen bin. Vorausgesetzt hierfür wäre aber auch, dass in Dresden nur Idioten hocken.“ Das Spitzenspiel der 3. Liga gegen Tabellenführer Dynamo Dresden gewinnen die Münchner Löwen drei Tage nach Köllners Live-Talk mit eins zu null. Nun hat man bei den Fans wieder hohe Erwartungen geweckt.

Quelle: Das Gelbe Blatt
17. April 2021
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