TSV 1860: So ist der neue Löwen-Trainer Michael Köllner

Nur vier Tage nach dem Rücktritt von Daniel Bierofka hat der TSV 1860 den neuen Trainer der Löwen bekanntgegeben: Michael Köllner. Die AZ stellt den ehemaligen Bundesliga-Coach genauer vor.

München - "Er ist ein echter Spieler-Entwickler, der aber auch über Jahre Trainer ausgebildet hat", sagt Günther Gorenzel in einer Pressemitteilung über Michael Köllner. Kurz nach dem 1:0-Auswärtssieg beim Halleschen FC bestätigte der Sport-Geschäftsführer der Sechzger die Verpflichtung von Köllner als neuen Löwen-Coach.

Der 49-Jährige trainierte zuletzt den 1. FC Nürnberg in der Bundesliga. Im März 2017 übernahm der gelernte Zahnartzhelfer zunächst als Interimstrainer für den entlassenen Alois Schwartz in der zweiten Liga, ehe er im Sommer 2017 zum Chefcoach bei den Franken befördert wurde. Nur ein Jahr später durfte er sich sogar Aufstiegstrainer nennen - der Club schaffte unter Köllner die Rückkehr ins Fußballoberhaus. Im Februar 2018 wurde er bei den Nürnbergern als Tabellenletzter entlassen, am Ende stiegen die Franken wieder ab.

Köllner: Rigorose Erziehung im Klosterinternat

Der Entlassung beim "Club", bei dem er einst auch für die Leitung des Nachwuchsleistungszentrums verantwortlich war, konnte er im Nachhinein aber auch viel Positives abgewinnen. "Ich hatte Zeit, mich persönlich weiterzuentwickeln", sagte Köllner gegenüber "heimatsport.de". "Wo kann man denn mit 49 Jahren einmal aussteigen und analysieren: Wo stehe ich im Leben? Was will ich verändern".

Veränderung suchte Köllner schon in ganz früh im Leben. Mit zehn Jahren entschied sich der Sohn eines Lokführers dazu, seine beschauliche Heimat Fuchsmühl in der Oberpfalz zu verlassen. Er wollte unbedingt ins 30 Kilometer entfernte Weiden - um dort eine Klosterschule zu besuchen.

Diese Entscheidung sollte er ziemlich schnell bereuen. Eigentlich hatte ihn vor allem die große Fußball-Halle des Internats angezogen. Doch das Klosterleben war rigoros: "Wir teilten uns mit 400 Jungs ein Haus. Ich schlief mit 20 anderen Kindern im Zimmer, hatte ein Bett, einen Holzschemel, einen Spind und einen Schreibtisch. Draußen gab es ein Waschbecken mit kaltem Wasser", beschreibt Köllner sein Leben dort gegenüber "GRANDIOS".
  
Köllner war für den DFB-Nachwuchs zuständig

Vielleicht ist dieses einschneidende Erlebnis aber auch einer der Gründe dafür, warum Köllner so ein erfolgreicher Nachwuchs-Trainer wurde. Von 2002 bis 2014 war er beim DFB-Koordinator für Talentförderung. Nach Stationen bei den U-Mannschaften der Bayerischen Landesauswahl, in der Jugend von Jahn Regensburg und bei Greuther Fürth landete der heute 49-Jährige schließlich in Nürnberg. Dort probierte er auch ungewöhnliche Trainingsmethoden aus. Einmal unternahm er in der Saisonvorbereitung eine Exkursion - auf einen Friedhof.

"Für uns ging es inhaltlich darum: Wo beginnt Überzeugung? Wo endet Überzeugung? Das war das Schlüsselelement", sagte Köllner damals. Ohne Überzeugung könne man auch kein Spiel gewinnen. Der Trainer will seine Spieler nicht nur auf dem Rasen besser machen, er will sie menschlich voranbringen. "Wenn einer meiner Spieler in seiner Persönlichkeit stabiler wird und in seinem weiteren Leben einen Mehrwert haben wird, dann ist dies das Beste, was passieren kann", erklärte Köllner bei der "Gießener Allgemeinen".

Köllner: "Warum soll ich mich geißeln lassen?"

Der neue Löwen-Trainer ist anders, zweifellos. Empathie ist ihm wichtig, er definiert sich stark über Beziehungen. Gleichwohl ist Köllner aber auch ehrgeizig, ein Machtmensch, der seine Unabhängigkeit bewahren will. "Ich habe 46 Jahre lang auch ohne Profifußball eine hohe Lebensqualität gehabt. Wenn diese beeinträchtigt wird, verändere ich etwas. Warum soll ich mich geißeln lassen?", erklärte er der dpa.

Im Lichte dieser Aussage wird es interessant zu sehen sein, wie der Oberpfälzer durch die Grabenkämpfe in Giesing zwischen Vereinsführung und Investor Hasan Ismaik navigieren wird. Einen ersten Vorgeschmack wird er am Montag bekommen, dann wird der Fußball-Lehrer, der auch mehrere Taktik-Handbücher verfasst hat, an der Grünwalder Straße nämlich offiziell vorgestellt. Am Dienstag wird Köllner erstmals das Training leiten.
Fünf Fun-Facts über Michael Köllner

Michael Köllner...
... ist der erste Zahnarzthelfer Bayerns. Er schrieb seine Abschlussprüfung damals zusammen mit 300 Frauen. Das "in" musste in seiner Urkunde gestrichen werden.
... legt seinen Spielern gerne mal Bücher oder Essays ins Fach, um ihnen intellektuell "neue Horizonte" zu eröffnen.
... spricht mit seinen Spielern über Politik.
... schickt seine Spieler auch gerne mal ins Kloster.
... liebt Glamour, ist Stammgast beim Nürnberger Opernball.

Quelle: Abendzeitung
10. November 2019
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