Die Oberpfalz braucht sich keine Sorgen zu machen

23.08.2018

Das Abenteuer Bundesliga beginnt: Vor dem Saisonstart gegen Berlin spricht FCN-Trainer Michael Köllner über Neuzugänge, den aktuellen Stand bei Dennis Lippert und verrät, warum er nie bei einem Pflichtspiel eine Trainingshose tragen würde.

Das Interview führten Stephanie Wilcke und Josef Maier.

ONETZ: Herr Köllner, Ihr neuester Schützling, Yuya Kubo, ist Japaner. Wissen Sie, was "Guten Tag" in seiner Landessprache heißt?

Michael Köllner: Nein, darum ist er - wie es sich in Bayern gehört - mit einem Servus begrüßt worden. Yuya versteht relativ gut Deutsch. Die Sprache sollte also kein Problem werden.

ONETZ: Japan war mit seiner kreativen und disziplinierten Mannschaft eine Überraschung bei der WM. Kubo war zwar nicht dabei, aber erwarten Sie sich genau diese Eigenschaften von ihm?

Köllner: Die Verpflichtung geschah unabhängig vom Abschneiden Japans bei der WM. Japanische Fußballer zeichnen sich durch eine hohe Spielintelligenz aus und wir brauchen intelligente Spieler auf dem Platz. Kubo ist ein technisch starker Spieler, der in engen Räumen zurechtkommt und vielseitig in der Offensive einsetzbar ist. Und Japaner lieben die Arbeit. Das ist auch nicht unwesentlich in einem Leistungssport. Im Wintertrainingslager spielte er mit der KAA Gent gegen uns, einem Team, das schnell umschaltet und hohes Tempo geht. Genau das brauchen wir auch.

ONETZ: Ist er ein Mann für die Startelf am Samstag gegen Berlin?

Köllner: Da er als Nicht-EU-Bürger, schneller als gedacht, eine Arbeitserlaubnis von der Stadt Nürnberg bekommen hat, ist er für Samstag spielberechtigt. Mal sehen, wie er im Training zurechtkommt. Im Kader wird er auf jeden Fall stehen.

ONETZ: Was sind Ihre Erwartungen an die anderen Neuzugänge Robert Bauer, Törles Knöll, Christian Mathenia, Kevin Goden und Timothy Tillmann?

Köllner: Mit Mathenia, Bauer und Kubo haben wir Spieler von Topformat verpflichtet. Bauer hat den kleinen Nachteil, dass er mit Valentini und Leibold harte Konkurrenz auf den Außenverteidigerpositionen hat. Sollte es bei Valentini jedoch bis Samstag nicht reichen, steht Bauer in der Startformation. Mathenia lieferte sich ein Rennen auf Augenhöhe mit Fabian Bredlow. Tillman, Goden und Knöll sind Spieler für die Zukunft. Wobei Letzterer am nächsten dran ist, er hat in der Vorbereitung gute Spiele gemacht.

ONETZ: War es das an Neuzugängen beim Club?

Köllner: Das ist völlig offen. Wie jeder zu Hause auch, gehen wir achtsam mit dem zur Verfügung stehenden Geld um. Wenn das Paket aus Machbarkeit und Verstärkung passt, machen wir noch etwas. Liegen die Vorstellungen zu weit auseinander, greifen wir nicht zu.

ONETZ: Ist Ingolstadts Stürmer Dario Lezcano damit vom Tisch?

Köllner: Das ist die Entscheidung des Vorstands und ohne Zweifel auch vom FC Ingolstadt 04. Interesse unsererseits ist da. Aber: Nach dem ersten Spieltag am Wochenende werden sicher noch weitere Spieler auf den Markt kommen.

ONETZ: Beim DFB-Pokal hat sich wieder einmal gezeigt, wie wichtig Torjäger Mikael Ishak ist. Er sollte wohl eher nicht wieder ausfallen...

Köllner: Das darf man nicht so dramatisch sehen. In der vergangenen Saison haben wir seine Verletzung auch gut ausgeglichen. Adam Zrelak ist eine Alternative, Törles Knöll hatte ich schon erwähnt, und auch in der U21 haben wir spannende Spieler.

ONETZ: Wie sieht es bei Sebastian Kerk und Ewerton aus?

Köllner: Kerk hatte einen kleinen Rückschlag, aber er läuft wieder. Er versucht, an die Mannschaft heranzukommen. In den kommenden Tagen wird er wieder ins Training einsteigen. Wir müssen ihm aber auch die Zeit geben. Ich rechne nicht vor Ende Oktober oder November mit ihm. Bei Ewerton tut sich einiges: Er fährt Fahrrad und macht Krafttraining. Die Syndesmose ist gut zusammengewachsen. Es wird nicht mehr lange dauern, dass er wieder laufen kann.

ONETZ: Bei wem sich die Verletzung schon lange hinzieht, ist Dennis Lippert. Was gibt es bei ihm Neues?

Köllner: Er stand in der vergangenen Woche mit unserem Athletiktrainer auf dem Platz. Nun ist er erneut auf fünfwöchiger Reha in Donaustauf. Seit einigen Wochen macht er konsequent Fortschritte, doch am Ende muss er seine Möglichkeiten ausloten, ob es noch einmal für den Profisport reicht. Ich hoffe es sehr, denn als mein ehemaliger Auswahlspieler am DFB-Stützpunkt, habe ich eine enge Beziehung zu ihm. Es ist gut, dass er den Glauben hat, zurückzukehren.

ONETZ: Ondrej Petrak hat sich in der Vorbereitung hervorgetan. Ist er der gesetzte Sechser?

Köllner: Aktuell macht er das sehr gut. Mit Patrick Erras hat er einen harten Konkurrenten im Nacken sitzen. Patricks Pech waren ein Magen-Darm-Infekt und Probleme mit dem Oberschenkel im Trainingslager. Dadurch musste er etwas pausieren. Aber Patrick hat den Abstand in den vergangenen zwei Wochen deutlich verkürzt. In der Oberpfalz muss sich keiner Sorgen machen: Patrick ist schnell wieder obenauf.

ONETZ: Was muss Patrick verbessern?

Köllner: Er muss sein Spiel auf die Bundesliga einstellen. Das heißt, dass es vielseitiger werden muss. Patrick ist eher als fehlerfreie Passmaschine bekannt, nicht als Spieler, der über hohes Dribbling auffällt. Aber daran arbeiten wir intensiv.

ONETZ: Vor Petrak und Erras ist der alte und neue Kapitän Hanno Behrens. Was hat ihn ausgezeichnet, dass er weiterhin die Spielführerbinde trägt?

Köllner: So etwas ist eine langfristige Entscheidung. In der zurückliegenden Saison hat er gezeigt, dass er ein Anführer ist. Er war der laufstärkste Spieler der Liga. Daran wird er sich wieder messen lassen müssen. Ob er auch in der Bundesliga 14 Tore schafft, weiß ich nicht. Ich wäre aber auch mit 13 zufrieden. (lacht)

ONETZ: Gegen alle Widerstände bringen Sie immer wieder Edgar Salli. Warum?

Köllner: Wenn ich auf jede kritische Stimme hören würde, wären wir nicht aufgestiegen. Ich stelle immer diejenigen Spieler auf, von denen ich die Überzeugung habe, sie sind für dieses Spiel die besten. Edgar ist ein Spieler, der den Unterschied machen kann. Solche Typen gefallen mir. Sein Markenzeichen ist das Tempo, genau das brauchen wir in der Bundesliga. Ich bin jeden Tag mit den Jungs zusammen und weiß, was sie können und weiß aber auch, was sie nicht können. Doch das versuche ich bei jedem Spiel zu kaschieren, damit es der Gegner nicht merkt. (lacht)

ONETZ: Gibt es einen Gegner in der Bundesliga, auf den Sie sich besonders freuen?

Köllner: Nein. Grundsätzlich freue ich mich auf jeden Gegner. Aber ich empfinde kein besonderes Kribbeln am Spielfeldrand, weil wir nun in der Bundesliga spielen. Das hatte ich in der 2. Liga auch nicht. Es sind ohne jeden Zweifel schöne Momente, wenn du ein ausverkauftes Stadion betrittst. Doch nach ein paar Sekunden blendest du das als Trainer aus, weil du völlig im Fokus bist.

ONETZ: Wie bereiten Sie sich auf das Abenteuer Bundesliga vor?

Köllner: Die Mechanismen sind ähnlich, wie in der zweiten Liga. Die größte Veränderung ist die Anstoßzeit. Dadurch, dass es nun meist erst um 15:30 Uhr losgeht, habe ich mehr Zeit in der Vorbereitung. Das genieße ich. Der Vormittag ist extrem entspannt. Zum Joggen muss ich nicht mehr so früh aufstehen wie bisher.

ONETZ: Kleidet man sich in der Bundesliga anders?

Köllner: Nein. Ich ziehe das an, worin ich mich wohl fühle. Ein Pflichtspiel ist immer etwas Besonderes. Daher wird man mich auch nie mit kurzer Hose oder im Trainingsanzug sehen.

ONETZ: Der Club kann den Klassenerhalt schaffen, weil …

Köllner: wir die richtigen Spieler und die richtigen Menschen dafür haben – und die richtigen Fans.

Quelle: onetz.de
23. August 2018
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