Israel - Faszination und Gegensätze

04.06.2018

Nach einer unglaublich intensiven und spannenden Saison liegt nun eine Reise hinter mir, auf die diese beiden Attribute auch zu 100 Prozent zutreffen. Daher möchte ich meine Eindrücke an dieser Stelle teilen, denn neben einer großen Faszination für das Land Israel war mein Besuch dort meine persönliche Art, 'danke' zu sagen für eine richtig gute Saison und für alles, was in der nächsten Saison kommen wird.

Zudem lehren einen diese Eindrücke Demut. An Demut und Realitätssinn muss jeder immer arbeiten – auch ich! Sicher hat dieser Aufstieg auch mich selbstsicherer, selbstbewusster gemacht. Das gehört ja irgendwie dazu. Doch selbst nach so einem Erfolg wie dem Aufstieg muss man auf dem Boden bleiben. Und so eine Reise hilft mir persönlich dann wieder dabei, Dinge zu erkennen, die wirklich wichtig sind. Das sind ohne Wenn und Aber Vertrauen und Dank. Nach unserem Aufstieg  brauchen wir weiterhin eine felsenfeste Demut und ein ebenso felsenfestes Selbstvertrauen. Das war für die vergangene Saison von entscheidender Bedeutung für mich und die Mannschaft - und das wird es auch für die kommende Saison sein.

Aber zurück zur Reise: Das erste Ziel war Tel Aviv, eine wunderschöne Stadt am Mittelmeer, die regelrecht bebt und die sehr jung ist. Die Besichtigung des alten Stadtkerns Jaffa mit dem Fahrrad war schweißtreibend. Ebenso die tägliche Joggingrunde, bei der ich zum ersten Mal wieder mit dem 1. FC Nürnberg konfrontiert wurde. Denn Club-Fans sind tatsächlich überall und unser Aufstieg allgegenwärtig. Beim Joggen kam mir an der Strandpromenade von Tel Aviv ein Mann mit dem Aufstiegsshirt entgegen, was mich sehr gefreut hat.

Die nächste Station war Caesarea, die alte Königsstadt von Herodes. Es ist beeindruckend, was hier noch erhalten ist. Anschließend ging es nach Haifa, einer Arbeiterstadt, die uns mit ihren persischen Gärten Baha’i, die seit kurzem Weltkulturerbe sind, fasziniert hat. Übernachtet haben wir dann in der früheren Kreuzfahrerstadt Akko. Der Stadtkern mit seinen kleinen Gassen einzigartig, die Spuren der Tempelritter unverkennbar.

Nazareth war unser nächster Anlaufpunkt – der Ort, an dem Jesus aufwuchs und die Heimat von Maria und Joseph. In der Basilika „Maria Verkündigung“ besuchten wir den Sonntagsgottesdienst. Die Basilika und die komplette Anlage mit ihrer Historie war atemberaubend. Danach ging es nach Taghba, wo Jesus einige Wunder vollbracht haben soll, wie zum Beispiel die Brot- und Fischvermehrung. Die historischen Stätten sind auch hier teilweise noch sehr gut erhalten.

Unweit davon ist Kafernaum, der Ort der Apostelbestimmung, an dem sich Jesus sehr oft zum Gebet zurückzog und die Stille suchte. Tiberia am See Genezareth war der nächste Stopp, wo ein Bad im See natürlich nicht fehlen durfte. Unweit davon entspringt der Fluss Jordan. Hier taufte Johannes der Täufer Jesus. Meine Frau und ich erneuerten an diesem biblischen Ort spontan unser Taufversprechen.  

Danach ging es sehr weit mit dem Auto Richtung Süden, in die tiefstgelegene und älteste Stadt der Welt, Jericho. Die Armut in Jericho war mit den Händen greifbar. Und die Tatsache, im Autonomiegebiet der Palästinenser zu sein, sorgte für Beklemmung.

Von Jericho ging es nach Qumran, dem Fundort von vielen biblischen Schriftrollen, die erst vor wenigen Jahren dort entdeckt wurden. Qumran liegt am Toten Meer und natürlich durfte auch hier das obligatorische Bad nicht fehlen. Es fühlt sich irre an, in Salz zu baden und dort regelrecht zu schweben.

Auf dem Weg nach Bethlehem haben wir Halt in Masada gemacht. Beeindruckend war diese Festung auf einem Felsen, die als uneinnehmbar galt und dadurch sinnbildlich für die Soldaten Israels steht, vor allem im Hinblick auf ihre Haltung.

Anschließend reisten wir weitestgehend durch das Autonomiegebiet Palästinas. Es gab kaum Bevölkerung und Besiedelung, nur Landschaft und dazwischen eine Grenzstation. Bethlehem hat mich besonders beeindruckt. Es ist wie Jerusalem und Nazareth eine Bergstadt. Diese wird allerdings von den Palästinensern bewacht: Es gibt äußerst strenge Kontrollen und eine 9 Meter hohe Mauer, die die Stadt umgibt. Es fühlt sich sehr beklemmend und einschüchternd an. Die Geburtsstadt Jesu ist zu einem bewachten Gebiet geworden, in dem mehrere Religionen ihr Zentrum sehen. Die Katholiken haben hier nur eine kleine Nische in der Geburtskirche Jesu. Die griechisch-orthodoxen Christen sind hier federführend und haben den größten Raum der Kirche für sich beansprucht, während die Armenier eine Seitenkapelle haben – auch noch deutlich größer als die kleine Nische der Katholiken. Irgendwie ist das alles nicht fassbar auf den ersten Moment.

Nur ein paar Kilometer weiter befindet sich Jerusalem. Aber die Sicherheitskontrollen, die wenigen Ausfahrtsstrassen aus Bethlehem durch den Mauerring und die Verkehrssituation in Jerusalem sorgen für eine lange Fahrt. Jerusalem ist vielfältig, einzigartig und nicht in Worte zu fassen. Viele Kulturen und Religionen prägen das Bild der Stadt. Die Altstadt ist unterteilt in das arabische, christliche und armenische Viertel. Genauso wird die Stadt von den verschiedenen Gotteshäusern aller dort vertretener Glaubensrichtungen geprägt. Jerusalem ist der Nabel der Religionen. Der Kreuzweg „Via Dolorosa“ durch die Altstadt und die Märkte sind völlig anders, als ich es erwartet hätte. Kleine Kapellen sind nahezu an jeder Station auffindbar – meist aber geschlossen und in Mitten von Geschäften und dem Treiben auf diesen Märkten. Einige Stationen sind schwer aufzufinden. Die Grabeskirche mit dem Heiligen Grab Jesu und dem Kreuzannagelungsaltar habe ich mehrmals besucht, denn bei nur einem Besuch ließ sich das nicht erfassen. Auf dem Stein, auf dem Jesu gesalbt wurde, legen viele Gläubige Kreuze, Rosenkränze und vieles andere nieder, um sie zu salben und zu segnen.

Der Tempelberg in der Nähe der Grabeskirche wird wieder von den Palästinensern bewacht. Strenge Kontrollen begegneten uns auch hier. Hier fühlt man die Unruhe in diesem Land sehr deutlich. Auf dem Felsenplateau erhebt sich der Felsendom und nebenan die al-Aqsa-Moschee. Der Tempelberg untersteht heute der islamischen Geistlichkeit und darum ist es nicht möglich, die Moscheen zu betreten. 

Vor der Klagemauer habe ich wieder Clubfans getroffen – so wie einige Male in Jerusalem. Es ergreift mich immer wieder, den Dank zu spüren, den unser Aufstieg bei unseren Fans ausgelöst hat. Natürlich fasziniert mich auch die Klagemauer. Auch ich habe die Örtlichkeit für ein Gebet genutzt. Als ich übrigens durch die Sicherheitskontrollen vor der Grabeskirche wollte, habe ich einen Touristen auf englisch angesprochen, ob er alle Gepäckstücke vom Band erhalten hätte. Er hat mir nur lachend geantwortet: ‚Ich bin übrigens Club-Fan und danke für diese Saison!`

Ein besonderes Highlight war das Sightseeing auf Teilen der Stadtmauer. Der Überblick über die Stadt ist gigantisch – auch wenn der Lauf darauf für ältere Menschen wohl kaum möglich sein wird. Die Erlöserkirche bildete den Abschluss unseres Streifzugs durch Jerusalem. Vor allem die Tour unterhalb der Kirche und das nette deutsche Café Kreuzgang bleiben in Erinnerung. Meine Frau behauptete sogar, es gab dort den besten Käsekuchen, den sie jemals gegessen hat. Am Ende haben wir noch einen kleinen Badeurlaub in Tel Aviv angeschlossen, denn hier kann man hervorragend am Meer entspannen und außerdem gibt es ein riesiges Sportangebot. Dabei haben wir ein paar nette Menschen kennengelernt, was ja auch immer ein schöner Nebeneffekt des Urlaubs ist. Und somit schloss sich in Tel Aviv der Kreis dieser Reise.

Ich habe bestimmt vieles vergessen aufzuführen. Die Stimmungen, die Gerüche, die Art des Lebens, das Essen und vieles mehr muss man einfach selbst erlebt haben. Israel ist mehr als eine Reise wert und es hilft die Religion(en) besser zu verstehen. Herzlichen Dank an alle unsere Freunde und Bekannte, die uns bei der Planung und Umsetzung der Reise unterstützt und beraten haben. Ein letztes am Ende: Möge Israel zur Ruhe und zum Frieden finden.    

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