Köllners schwarz-roter Faden

01.03.2018

Wachablösung: In der Nachwuchsarbeit hat der 1. FC Nürnberg die Fürther überholt. Das hat viel mit Michael Köllner (48) zu tun.

Lange Zeit war die Nachwuchsarbeit von Greuther Fürth erfolgreicher als die der Nürnberger. Zweimal erreichte die U19 das Halbfinale um die deutsche Meisterschaft, Geis Prib und Klaus wurden gestandene Bundesligaspieler. Dies änderte sich, als Michael Köllner vor zwei Jahren das Nachwuchsleistungszentrum beim Club übernahm und nun als Profi-Trainer gleichzeitig Kopf des sportlichen Leitungsteams des NLZ mit U-21-Trainer Reiner Geyer und U-19-Coach Daniel Wimmer ist.

Herr Köllner, als Sie sind vor zwei Jahren zum FCN gekommen sind, haben Sie dem NLZ eine neue Struktur gegeben. Wo haben Sie damals angesetzt?
Was ich vorgefunden habe, war in vielen Teilen schon gut. Aber das NLZ war ein sehr großer Apparat mit verschiedenen Ansätzen. So hatte die Regionalligamannschaft einen anderen Status und eine andere Ausrichtung als jetzt - mit einigen älteren Spielern. Wir haben dann auf eine reine U 21 umgestellt und im Verein die Reizpunkte etwas anders gesetzt. Die Jugend sollte eine einheitliche Ausrichtung bekommen. Daran haben wir in allen Jugendmannschaften gefeilt bis hin zur U 21. Darüber hinaus war es uns wichtig, eine leistungsfördernde und respektvolle Atmosphäre auf und neben dem Platz und in den Kabinen respektive Büros zu schaffen.
 
Wie binden Sie die Trainer darin ein?
Die U21 war in der letzten Saison das Ausbildungsteam der Trainer. Dies haben wir nun auf die Lizenzmannschaft verändert. Wir haben ein Mentoringprogramm, das vorher über die U21 und nun über die Profimannschaft erfolgt, an dem alle Leistungstrainer aus dem U-Bereich aktiv mitarbeiten. Somit kann ich alle Ausbildungsschwerpunkte und unsere grundlegenden Prinzipien für Training und Spiel an alle Leistungstrainer auch in der Praxis auf unser Nachwuchsleistungszentrum vermitteln.
 
Sie sind Chefcoach der Profis, aber auch Kopf des sportlichen Leitungsteams des NLZ. Wie sind hier Ihre Aufgaben?
Die Position des NLZ-Leiters war formal nicht mehr möglich. Aber ich war mit meiner Arbeit noch nicht am Ende. Die Nachwuchsförderung soll einen roten Faden von der U8 bis zu den Profis haben. Darum möchte ich mich auch nach der Übernahme der Profis weiter darum kümmern. Es liegt mir am Herzen, dass wir gute Spieler bekommen, ausbilden und bei den Profis integrieren können. Ich arbeite eng mit Reiner Geyer und Daniel Wimmer zusammen.
 
Der FCN ist finanziell nicht auf Rosen gebettet. Macht man mit einer guten Jugendarbeit aus der Not eine Tugend?
Wir würden es genauso machen, wenn wir mehr Geld hätten. Die Erlöse für Teuchert und Kammerbauer hätten wir reinvestieren können. Aber für uns ist das der falsche Ansatz. Man muss versuchen, Pluspunkte jenseits des Monetären zu sammeln. Der Club ist ein besonderer Verein mit Tradition, der in der Region tief verwurzelt ist. Das Vereinsgelände spricht für sich, und wir haben eine gute Ausbildung. Wer sich davon überzeugen lässt, der wird sich für uns entscheiden.
 
Die U 21 steht auf Platz 3 der Regionalliga. Trotzdem haben Sie keine Lizenz für die 3. Liga beantragt. Warum?
Es bringt nichts, wenn nach einem Aufstieg der Ausbildungscharakter verloren geht. In der 3. Liga könnten wir nicht ausbilden, da wir um den Klassenerhalt kämpfen müssten. Demzufolge würden wir wahrscheinlich tief in der eigenen Hälfte stehen und hätten nur wenig Ballbesitz. Auch der Aufwand wäre sehr groß. Man denke nur an die Auswärtsfahrt nach Rostock. Training und die Ausbildung der Spieler wären hier dem Überlebenskampf in der 3.Liga folglich untergeordnet.
 
Andere Vereine melden ihre Reserven ab und verleihen Talente lieber. Ist das auch ein Thema?
Nein. Die zweite Mannschaft ist ein Eckpfeiler unserer Ausbildung. So können die Spieler ohne die Drucksituation des Profibetriebs noch einmal ein bis zwei Jahre unter Profibedingungen arbeiten, um die letzte Reife zu erreichen.
 
Derbys haben ihre eigenen Gesetze. Sehen Sie sich trotzdem als Favorit?
Eine gewisse Favoritenrolle ergibt sich aus der Tabellensituation. Wir wissen aber auch, dass die Partien gegen die Mannschaften, die ums Überleben kämpfen, die schwersten sind. Zudem sind Spiele gegen Fürth sehr prestigeträchtig. Umso erleichterter war ich, dass wir im Hinspiel den ersten Auswärtssieg seit Jahrzehnten landen konnten. Das hat uns Kraft für die Saison gegeben.

Quelle: kicker Sportmagazin
01. März 2018

Zurück