Michael Köllner: "Ein Spieler muss respektvoll behandelt werden. Punkt aus."

09.06.2016

Im ersten Teil des Interviews äußert sich Michael Köllner zu seiner Doppelfunktion als sportlicher Leiter des NLZ und U21-Trainer und dem damit verbundenen Spagat zwischen Theorie und Praxis.

fcn.de: Herr Köllner, seit knapp drei Monaten sind Sie nun sportlicher Leiter des NachwuchsLeistungsZentrum. Ab dem 13. Juni geht es für Sie mit dem Trainingsauftakt der U21 dann auch als Übungsleiter los. Kann man die beiden Tätigkeiten im Tagesgeschäft überhaupt derartig trennen?

Michael Köllner: Zuletzt war es ein fließender Übergang. Aber am Anfang war es eine klare Angelegenheit. Der Fokus lag zunächst auf der Rolle des sportlichen Leiters bzw. auf dem NachwuchsLeistungsZentrum. In den ersten Wochen ging es darum, sich einen ersten Überblick zu verschaffen. Da wusste ich zum Beispiel noch nicht, dass die U21 ein Thema wird, dem ich mich zusätzlich annehmen werde. Jetzt wurde in den letzten Tagen der Fokus mehr und mehr auf die Trainertätigkeit gelegt. Das geht mit der Kaderzusammenstellung los und endet mit der Trainingskoordination. 

fcn.de: Welche Vorteile sehen Sie in dieser Doppelfunktion?

Köllner: Es hatte mehrere Gründe, dass es nun zu dieser Doppelfunktion gekommen ist. Ich denke schon, dass auf dem Markt genügend gute Trainer vorhanden sind. Aber um einen roten Faden im Sinne einer gemeinsamen Spielidee in unser NLZ zu integrieren, von der U14 bis hoch zur U21, braucht es mehr. Da muss man sich die Frage stellen, was sinnvoll ist. Gehst du als Leiter einmal am Abend dazu und riskierst einen nur geringen Effekt, oder stehst du zwei Mal täglich auf dem Platz und setzt deine eigenen Ideen und Vorstellungen direkt in der Praxis um. Wir haben nicht viel Zeit, das ist das generelle Problem am Geschäft Fußball.

fcn.de: Zwei Liebschaften zur gleichen Zeit enden selten gut. Haben Sie nicht die Befürchtung, dass eine dabei zu kurz kommt?

Köllner: Auf der Strecke bleiben darf und wird nichts. Weder in der einen noch in der anderen Position. Ansonsten hätte ich mich für diesen Weg nicht entschieden. Dass Privatleben auf der Strecke bleibt, dass Freizeit kürzer kommt, das kann ich bejahen. Darüber bin ich mir aber bewusst.

fcn.de: Sind Sie sich auch bewusst, welche Aufgaben auf Sie als U21-Trainer zukommen werden? Immerhin ist es das erste Mal für Sie, dass Sie diese Altersklasse betreuen.

Köllner: Ich habe ja bereits eine Herrenmannschaft von Bayern Hof trainiert. Ich glaube, dass da der Unterschied nicht so groß ist. Ein Spieler muss respektvoll behandelt werden. Punkt aus. Man muss ihm aber dennoch alles abverlangen können. Um das wird es gehen. Am Ende muss der Spieler das Gefühl haben, dass er hier bei uns ernst genommen wird, als Mensch und ebenso als Spieler. Da ist das Alter unerheblich.

fcn.de: Es steht ein großer personeller Umbruch ins Haus. Einige Abgänge stehen bereits fest, die Planungen für die neue Saison laufen auf Hochtouren. Worauf ist bei der Kaderzusammenstellung zu achten?

Köllner: Bereits bei der Verpflichtung der Spieler müssen wir unser Ziel im Hinterkopf haben, eine möglichst hohe Durchlässigkeit zur Profimannschaft zu erzielen. Da wir unsere eigenen Spieler sehr gut einschätzen können und daher wissen, was sie im Stande sind zu leisten, werden wir sieben Spieler der U19 in die U21 beordern. Mit Lukas Mühl und Cedric Teuchert, die bereits der Profimannschaft angehören, ist das denke ich eine gute Quote. Von dem derzeitigen Personal behalten wir diejenigen, denen wir den nächsten Schritt nach wie vor zutrauen. Bei externen Spielern achten wir auf Attribute, die den Unterschied ausmachen können. Sie müssen eine ganz besondere Stärke haben. Sei es die Geschwindigkeit, die Spielauffassung oder das Ballgefühl. In einer Sache müssen sie ihrem Jahrgang weit voraus sein. Natürlich haben diese Spieler auch noch Defizite, sonst würden sie vielleicht nicht bei uns landen. Aber mit unserem Betreuungsmodell der U21 sind wir uns sicher, dass wir diese Spieler schnell interessant für unsere Lizenz-Mannschaft machen werden. Zum Charakter der potenziellen Neuzugänge kann ich nur sagen, dass wir keine geschnitzten, uniformierten Spieler haben möchten. Denn letztlich sind es doch die Spieler mit Ecken und Kanten, die den Unterschied ausmachen.

fcn.de: Sie sprechen es bereits an. Künftig sollen auch die Trainer der anderen U-Mannschaften eine Rolle in der U21 einnehmen. Was erhoffen Sie sich von diesem System, dass es in dieser Form nur hier gibt?

Köllner: Durch die so entstehende "man-power" wollen wir unser kurzfristiges Ziel erreichen, möglichst viele Spieler in den Profibereich hochzuziehen. Da nahezu alle Trainer der NLZ Mannschaften in der U21 unterstützend mitwirken, können wir quasi eine Eins-zu-eins-Förderung unserer Spieler gewährleisten. Mittel- und langfristig wollen wir dadurch die Trainer untereinander besser vernetzen und noch enger an den Verein binden. Auch das fördert den bereits erwähnten roten Faden, den wir ziehen wollen. Die Cheftrainer sollen nicht nur kurz am Tag dabei sein, sie werden wochenweise den Ablauf mitbekommen. Sie sollen sehen, wie eine Trainingswoche durchstrukturiert wird. Sie werden allerdings nicht nur lernen, sondern auch ihre individuellen Stärken mit einbringen. Der eine hat seine Stärken in der Vermittlung von Grundlagen, ein anderer bspw. in technischen Aspekten. Na klar verlangt das einen hohen, organisatorischen Aufwand. Wir sind aber überzeugt davon, dass dieser es wert ist, um die Spieler optimal entwickeln zu können.

Quelle: fcn.de vom 09.06.2016
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