Michael Köllner: "Es gibt nicht die eine Taktik"

10.06.2016

Im zweiten Teil des Interviews äußert sich Michael Köllner zu seiner Rolle als Cheftrainer der U21, seinen Ansätzen und den Saisonzielen.

fcn.de: Als feste Konstante wird Ihnen Fabian Adelmann, neben seiner Funktion als U14-Trainer, als Co-Trainer zur Seite stehen. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Köllner: Wenn man in so einem Konzept arbeiten möchte, muss man eine unheimliche Flexibilität an den Tag legen. Da muss man sein Ego und seine eigenen Bedürfnisse hinten anstellen. Fabian wird nicht mehr viel Freizeit haben in der nächsten Zeit. Bei einem jungen Trainer wie ihm ist dieser Hunger, diese Wissbegier natürlich noch viel stärker ausgeprägt, als bei älteren Kollegen. Fabian ist wie ein Schwamm, der versucht, jeden Tropfen aufzusaugen. Das ist aber nur ein Kriterium. Ein weiteres ist die Videoanalyse, in der der Co-Trainer absolut fit sein muss. Hinzu kommt seine Empathie gegenüber seinen Spielern. Das ist eine seiner Stärken. Zuletzt hat man natürlich gesehen, dass er gute Ansätze zeigt. Und wie bei einem Spieler, den man aufgrund seines Potenzials fördert, muss man auch Trainer in ihrer Arbeit bekräftigen, wenn sie sie gut machen. Auch Fabian will ich, wollen wir, zum Maximalen antreiben.

fcn.de: Wie würden Sie sich selbst als Trainer beschreiben?

Köllner: Fabian wird allein schon aufgrund seines Alters näher an den Spielern sein. In meiner Funktion muss ich ein wenig distanzierter sein, wobei ich auch kein Unmensch bin (lacht). Als Trainer will ich einfach das umsetzen, was ich den Spielern und den Leuten hier verspreche. Das ist meine größte Bürde. Ich werde zwar nie alles können, aber ich muss es versuchen, zu schaffen. In diesem Jahr werde auch ich sehr viel lernen. Mich selbst als Trainer zu beschreiben, fällt mir schwer. Ich hoffe einfach, dass meine Trainingsinhalte und meine Ideen bei den Spielern ankommen. Wenn ich damit meinen Anteil an der Entwicklung der Jungs zu besseren Spielern leisten kann, habe ich mein Ziel erfüllt. Am Ende soll das dann nicht nur für die U21 gelten, sondern aufgrund meiner Doppelfunktion in allen Nachwuchsmannschaften.

fcn.de: Haben Sie bereits eine Taktik, ein System im Kopf, oder warten Sie zunächst den finalen Kader ab?

Köllner: Es gibt nicht die eine Taktik, nicht das eine System. Spieler müssen lernen, alles spielen zu können. Sie müssen aus einer geordneten Defensive heraus spielen können, sie müssen aber auch überfallartige Konter beherrschen. Ebenso müssen wir es schaffen, ein ganzes Spiel aus dem eigenen Ballbesitz heraus zu gestalten. Am Ende muss der Spieler jeden Matchplan der Profis verstehen und umsetzen können. Ansonsten ist dieser Spieler extrem limitiert. An dieser Variabilität werden wir in der U21 arbeiten. Wir werden Woche für Woche versuchen, der Mannschaft neue Facetten des Fußballs beizubringen.

fcn.de: Und ein Saisonziel?

Köllner: Unser Ziel bleibt es, möglichst viele Spieler an den Profibereich heranzuführen und so unseren Beitrag am Erfolg der ersten Mannschaft zu leisten. Dem gilt es, alles unterzuordnen. Wir müssen in den ersten Wochen alles daran setzen, dass die Jungs den Herrenfußball adaptieren. Die Frage bleibt: schaffen wir es auf den Punkt bis zum Ligaauftakt? Das müssen wir erst noch sehen. Der Trainingsauftakt ist am 13. Juni. Wenn der Spielbetrieb am 16. Juli dann losgeht, wollen wir natürlich jedes Spiel gewinnen. Mit diesem Selbstbewusstsein wollen wir den Platz betreten und attraktiven Fußball spielen. Die Leute, die uns zuschauen, sollen genau das über uns sagen. Was am Ende dabei rauskommt, werden wir sehen. Wenn wir sportlich erfolgreich sind und zugleich die Durchlässigkeit in den Lizenzspielerbereich verbessern, haben wir alles erreicht. Wohin die Reise, gemessen an der Tabelle, dann geht, wird sich im Verlauf der Saison zeigen.

fcn.de: Wie groß ist das Kribbeln, nun endlich wieder an der Seitenlinie zu stehen?

Köllner: Das ist schon extrem. Allein deshalb, weil ich mich als Mensch nicht als reinen Theoretiker sehe. Als sportlicher Leiter bin ich das natürlich ein Stück weit. Aber man muss die Sachen auch selbst auf dem Platz ausprobieren. Nur dann kannst du in möglichen Trainerdiskussionen sagen, dass die Idee bereits mit Erfolg in der Praxis angewendet wurde.

Quelle: fcn.de vom 10.06.2016
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