Michael Köllner: "Ich spüre eine riesige Unterstützung"

24.03.2017

Seit rund zwei Wochen ist Michael Köllner nicht nur NLZ-Leiter, sondern auch Cheftrainer. Im Interview spricht der 47-Jährige über seine ersten Eindrücke, neue Erfahrungen, Zuspruch aus der Heimat und private Kinobesuche.

fcn.de: Sie sind seit rund zwei Wochen Cheftrainer und NLZ-Leiter in Personalunion. Fühlen Sie sich morgens, wenn Sie aufwachen mehr als Cheftrainer oder als NLZ-Leiter?

Michael Köllner: (überlegt) Schwierige Frage. Durch den Fokus der Öffentlichkeit und die momentane Situation ist es schon so, dass der Cheftrainer-Posten mehr Zeit in Anspruch nimmt. Hier geht es um eine gute Balance: Wir müssen sowohl die Ergebnisse einfahren, als auch die Entwicklung forcieren. Aber gleichzeitig darf natürlich das NLZ nicht vernachlässigt werden, weil es da um nichts Geringeres als um die Zukunft des Vereins geht.

fcn.de: Wie lassen sich die ersten zwei Wochen in der Doppelfunktion zusammenfassen?

Michael Köllner: Immer etwas Neues, immer wieder etwas Interessantes.

fcn.de: Was ist zum Beispiel neu?

Michael Köllner: Dass die Trainingseinheiten im Fokus der Öffentlichkeit stehen, kenne ich von der U21 nicht. Man muss sich also einer Sache bewusst sein: Egal, was du tust, es kann am nächsten Tag in der Zeitung, im TV oder Internet auftauchen. Aber darüber will ich mich gar nicht beklagen, denn ich wusste ja, worauf ich mich einlasse und komme damit auch gut zurecht. Wichtig ist mir in der täglichen Arbeit als Trainer, dass ich mir selbst und meiner Linie treu bleibe.

fcn.de: Woran mussten Sie sich noch gewöhnen?

Michael Köllner: An das Kabinenleben. Ich bin hier rein räumlich ganz nah an der Mannschaft dran, weil die Trainerkabine direkt neben der Spielerkabine ist. Das will ich eigentlich gar nicht.

fcn.de: Warum?

Michael Köllner: Die Kabine ist der Bereich der Spieler, das ist ihre Privatsphäre. Da habe ich nichts verloren. Sie sollen sich da frei entfalten und auch frei reden können. Und wenn ein Trainer in der Nähe ist, dann ist das nicht immer gegeben.

fcn.de: Bislang ist die Stimmung von außen betrachtet aber recht gelöst, die Chemie scheint zu stimmen. Oder täuscht der Eindruck?

Michael Köllner: Wenn man eine Mannschaft übernimmt, geht es immer darum, möglichst schnell einen Zugang zu den Spielern zu finden. Die Dinge, die man am Anfang anpackt, sollten funktionieren.

fcn.de: Haben Sie das Gefühl, Zugriff zu bekommen?

Michael Köllner: Die ersten Wochen haben auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht haben. Wir haben eine willige, richtig engagierte Mannschaft, die große Freude daran hat, Fußball zu spielen. Auf der Busfahrt nach Berlin bot sich mir zudem die Möglichkeit, viele Einzelgespräche zu führen. Ich wollte mich einfach mal in Ruhe mit den Spielern austauschen, auch über private Dinge, um jeden Einzelnen auch als Mensch zu erfassen und nicht nur als Profi auf dem Trainingsplatz. Auch die Spieler hatten auf diese Weise die Möglichkeit, mich abseits des Platzes kennenzulernen. Eine solche persönliche Ebene ist mir ein großes Anliegen.

fcn.de: Durch die Beförderung zum Cheftrainer standen Sie von einem Tag auf den anderen im Rampenlicht. Es gab wahrscheinlich auch ganz viele Glückwünsche. Hat sie einer besonders gefreut?

Michael Köllner: Es waren wirklich sehr viele. Und es waren auch ein paar dabei, mit denen ich nicht unbedingt gerechnet hatte. Ich habe dadurch schon gespürt, dass eine riesige Unterstützung da ist – insbesondere aus der Oberpfalz, meiner Heimat. Der Bürgermeister aus meiner Heimatgemeinde hat mir zum Beispiel eine SMS geschrieben. Und die beiden Pfarrer dort beten jetzt dafür, dass wir gewinnen (lacht). Auch der Pfarrer, der mich getauft und gefirmt hat und bei dem ich Ministrant war, hat sich gemeldet. Der ist ja nun auch nicht mehr der Jüngste. Wenn sich solche Leute melden, die deinen Weg lange begleitet und dir auch etwas fürs Leben mitgegeben haben, dann ist das schon toll.

fcn.de: Ihr Weg geht nun als Cheftrainer "bis auf Weiteres" weiter. Was heißt das?

Michael Köllner: Wir haben uns bewusst für diese Variante entschieden. Denn beide Seiten müssen doch erst einmal sehen, ob es passt. Der Verein muss anhand seiner Kriterien eine Entscheidung treffen. aber auch ich muss im Rahmen meiner neuen Tätigkeit herausfinden: Ist das dein Ding? Willst du dauerhaft so in der Öffentlichkeit stehen? Willst du dein Leben durch diese Aufgabe neu takten? Bislang habe ich diese Fragen noch nicht beantwortet, kann aber jetzt schon sagen, dass mir meine Aufgabe jeden Tag aufs Neue viel Freude bereitet und es etwas Besonderes ist, für den Club zu arbeiten.

fcn.de: Bis wann gibt's darauf eine Antwort?

Michael Köllner: Ich hatte in diesem Bereich ja noch gar keine Erfahrung. Also muss ich nun die Zeit nutzen, um mir ein umfassendes Bild zu machen. Es kann gut sein, dass die Antwort irgendwann ganz von selbst kommt.

fcn.de: Wovon ist die Antwort abhängig?

Michael Köllner: Es ist enorm wichtig für mich, die Überzeugung im Verein und in der Mannschaft zu spüren. Wichtig im Sinne des Vereins ist zudem: Arbeiten alle miteinander und wollen etwas bewegen? Ich muss daher schon das Gefühl haben, dass die Mannschaft bereit ist, hart zu arbeiten, dass sie gerne ins Training kommt, die Antennen ausgefahren hat und in der Lage ist, die Dinge im Spiel umzusetzen, die wir uns Woche für Woche erarbeiten. Und dann hat natürlich auch die Familie ein Mitspracherecht bei so einer Entscheidung.

fcn.de: Die sieht Sie momentan wahrscheinlich relativ selten. Was steht denn auf dem Programm, wenn mal kein Fußball angesagt ist?

Michael Köllner: Ich hatte früher einen sehr großen Freundeskreis. Durch den Fußball ist der in den letzten Jahren leider etwas geschrumpft, das ist sehr schade und tut mir wirklich leid. Wenn ich heute frei habe, dann bin ich über jede Minute dankbar, die ich mit meiner Familie verbringen darf. Wir gehen gerne gut essen oder in Nürnberg spazieren, manchmal stundenlang. Und wir gehen unheimlich gerne ins Kino. Mittlerweile ist es aber leider so, dass ich kaum noch einen Kinofilm bis zum Ende sehe, weil ich immer zwischendrin einschlafe. (lacht)

Quelle: fcn.de vom 24.03.2017
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